Worum geht es beim Spiel?

Die „Pokémon Spiele“ wurden ab 1996 von Nintendo für die Gameboys und die Konsole Nintendo 64 auf den Markt gebracht. Der Spieler muss quasi kleine Tierchen – eben die Pokémons – finden, fangen, sammeln und tauschen. Ausserdem kann man die Pokémons gegeneinander kämpfen lassen. Mit den Fantasie-Tierchen wurden auch Manga-Serien erschaffen. Diese waren besonders Ende der 90er hoch im Kurs. Um die Jahrtausendwende begann die Ausstrahlung auf deutschen Fernsehkanälen.

Pokémon Go ist nun eine Neuprogrammierung des alten Spiels für Mobiltelefone. Heute werden jedoch GPS-Daten, Karten, Kamera und Internet mit dem Spiel verbunden. So können die Spielenden mit dem Handy aufbrechen und sich anhand der Karte auf dem Display durch die Stadt bewegen. Auf dem Weg treffen Sie Pokémons, Pokéstops und Pokémon-Kampfarenen. Will man ein Pokémon fangen, so wird dieses Pokémon auf dem Display mit dem realen Bild, welches die Handy-Kamera einfängt, verbunden. Auf dem Display wirft man so Pokébälle nach einem „Hornliu“, das auf der Strasse sitzt. Hat man getroffen, kommt dieses Pokemon in die Sammlung und man kommt innerhalb des Levels mittels Erfahrungspunkten voran. Bei sogenannten Pokéstops kann man zudem Pokéballs und weitere Gadgets einsammeln. In Kampfarenen tritt man schliesslich gegen andere Spieler, die auch vor Ort sind, an. Das Spiel erfolgt im Team.

 

Kritik

Millionen Smartphonenutzerinnen und -Nutzer haben das Spiel auf ihr Smartphone geladen. Für Sommer und Herbst 2016 wird das Spiel viel Furore machen. Und wie das bei neuen Technologien oder Anwendungen jeweils der Fall ist, wird auch Pokémon Go viel Kritik erhalten. In den Medien wurde beispielsweise wiederholt darauf hingewiesen, dass es zu Unfällen auf der Strasse kommen wird.1 Tatsächlich sind die Monster oder Pokestops auch auf Strassen oder Kreiseln zu finden. Von Anwendern war mindestens schon zu hören, dass es heikel ist, auf dem Rad durch die Stadt zu fahren und nebenbei auf das Handydisplay zu schielen. Solche  „fast-Radunfälle“ scheint es doch schon viele gegeben zu haben. Für den Grossteil der Nutzer stellen sich jedoch folgende Fragen und Herausforderungen:

  • Wie schon bei Clash of Clans und vergleichbaren Anwendungen hat auch dieses Game Suchtpotential. Das Spiel ist geschickt aufgebaut, man will es mit Kollegen spielen, es winkt Belohnung, etc. Das Suchtpotential ist sicher gegeben.
  • Das Spiel ist zudem eine Konkurrenz für mehr analoges Tun. Mit anderen Worten: Kinder werden noch weniger offline spielen, weniger draussen sein und weniger werken. Kinder und Erwachsene sind noch mehr mit den Gerätchen befasst. Wie wär’s mit dem klassischen Räuber und Poli, einer Schatzsuche?
  • Das Spiel arbeitet mit InApp-Käufen. Kinder und Eltern werden wieder mächtig viel Geld ausgeben. Es ist erstaunlich: Manchmal sind 5.- Franken für eine gute und werbefreie App zu viel. Aber mal 20.- oder 50.- Franken für Duft-Granaten und „Eier-Ausbrüt-Maschinen“ sind dann völlig ok. Die Gameschmiede Niantic LAB, Apple und Google rechnen mit Milliarden-Gewinnen.
  • Kinder werden zudem darauf bestehen, dass infolge des höheren Datenbedarfes nun endlich ein Abo zu lösen sei. Auch wenn das nicht stimmt, so wird der Druck auf die Eltern trotzdem steigen.
  • Pokémon Go kann das Familienklima gefährden. Mehr als andere Spiele bindet Pokémon Go auch mal den Partner, oder die Partnerin. Ein gemeinsamer Ausflug ist schnell man kein solcher mehr. Die angezeigten Pokestops und Minimonster bestimmen den Weg. Verweilt wird wo es Arenen hat. Solche Unternehmungen enden im Frust. Logischerweise muss nun wieder ein Gegenstand mehr verhandelt werden.
  • Hausaufgaben machen wird bei den möglichen Versuchungen und Ablenkungen die Pokémon Go bietet noch etwas schwieriger.
  • Last but not least: Pokémon Go erstellt ein vollständiges Bewegungsprofil. Meine Wege werden gespeichert und ausgewertet. Aufgrund der Verbindung der Sensoren kann natürlich auch anderes ausgehorcht werden. Wir werden erst mit der Zeit erfahren, welche Daten insgesamt abgegriffen werden. Da man Pokémon Go ohne Google-Account nicht spielen kann, übergibt man Google einmal mehr sehr viele Informationen.

 

Chancen

Natürlich bieten neue Anwendungen immer auch neue Möglichkeiten. Wer diese zu nutzen weiss, kann sie in der Erziehung gar gewinnbringend einsetzen. Beispielsweise haben wir von vielen Eltern gehört, dass die Kinder wieder mehr für die Bewegung im Freien zu haben sind. Wenn man sich darauf einlässt, so kann man mit den Kindern gemeinsame Pokémon Ausflüge in andere Städte machen. Dies führt zu einem gemeinsamen Erleben, zu Gesprächen und Beziehungspflege. So gesehen:

  • Pokémon Go kann tatsächlich dafür genutzt werden, die Kinder wieder mal aus dem Haus zu bringen.
  • Pokémon Go bietet Anlässe für gemeinsame Erlebnisse.
  • Pokémon Go bietet Anlässe um sich mit Kinder zu messen, um sich auszutauschen und im Gespräch zu bleiben.
  • Pokémon Go könnte zu einem Gespräch über die im Handy vorzufindenden Sensoren sowie deren Möglichkeiten und Risiken führen. Das Medienwissen der Kinder ist selten sehr weit entwickelt und könnte somit verbessert werden.
  • Das Gespräch über die hinterlassene Datenspur könnte auch die Medienkritik der Kinder verbessern.

 

Erste Tipps

Einmal mehr bleibt die unangenehme Arbeit den Eltern überlassen: Kinder brauchen Grenzen. Auch beim Pokémon Spiel.

  • Sicher kann die ersten Tage und Wochen ein aufgebessertes Zeitbudget zur Verfügung gestellt werden. Schliesslich gehört es zum menschlichen Naturell, neues ausgiebig erkunden zu wollen. Auf die bevorstehende Schulzeit hin sind die meisten Kinder jedoch wieder auf Regeln angewiesen. Schliesslich sollen sie noch anderes tun als auf den Bildschirm zu starren und so durch die Stadt zu eilen. Für Kinder der Unterstufe sollte der tägliche Bildschirmkonsum in der Regel 30 Minuten nicht überschreiten. Um bei Mittelstufen-Kindern mit anderen Eltern gleich zu ziehen, könnte eine Regel heissen: 2/3 der Freizeit müssen bildschirmfrei verbracht werden.
  • Wenn Sie gemeinsam mit den Kindern auf Reisen oder Ausflügen sind, so machen Sie ab, ob man allenfalls auch zusammen dem Spiel frönt. Machen Sie auch ab, wann die Kinder dürfen. Und: Es ist auch legitim, auf gemeinsamer Reisezeit ohne Pokémon zu bestehen
  • Nach wie vor geht es auch ohne Handy-Abo. Um so mehr, als auch die Pokémon-Welle wieder abflauen wird. Kinder sollten zudem lernen, Handy- und Datenguthaben einzuteilen. Was viele nicht wissen: Bei allen Providern kann man auch monats- oder tageweise Daten erwerben. Es muss nicht gleich ein Abo sein. Gute Hinweise zu günstigen Prepaid-Lösungen finden Sie im PC-Tipp vom August 2016 auf Seite 14.
  • Zur Spielnutzung ist weiter festzulegen: In-App-Käufe müssen verdient werden. Das Spiel darf nicht während dem Fahrrad- oder Rollbrettfahren gespielt werden. Für Aktionen im Spiel immer stehen bleiben.
  1. Artikel in der FAZ: Pokemon Go das gefaehrlichste Spiel der Welt?  []
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