Derzeit kursieren auf Social Media verstörende Selbsttötungsvideos. Ein Gespräch mit den Kindern zu diesem Thema ist notwendig. 

Auf verschiedenen Social Media-Plattformen wie TikTok oder Youtube kursiert zurzeit ein sehr verstörendes Video des Suizids eines Mannes. Bekannt wurde die Geschichte zuerst im englischsprachigen Raum. The Verge berichtete schon am 7. September 2020 über den auf Tik Tok erschienenen Post. Seit anfangs September wird dieses Video aber auch in der Schweiz geteilt. 

Im Video ist zu sehen, wie ein Mann sich vor laufender Kamera das Leben nimmt. Dabei hält er sich eine Schrotflinte ans Kinn und drückt ab. Dann sackt er auf seinem Stuhl zur rechten Seite hin zusammen. Es kursieren viele verschieden Versionen des Selbstmordes im Netz. 

Leider wird dieses Video teilweise auch «getarnt». In den ersten Sekunden wird ein Katzenvideo gezeigt. Plötzlich und ohne Vorwarnung ist dann aber die Selbsttötung zu sehen. Das Video kann für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sehr verstörend und psychisch belastend sein. Betroffene berichten, sie hätten schlaflose Nächte. 

Unterschätzt

Klar: Es wird oft geblufft. Für Kinder oder Jugendliche mag es im ersten Moment «cool» wirken, dieses Video gesehen zu haben. Doch darin liegt zuweilen auch das Problem: Wird das Video in einer Runde von Jugendlichen herumgezeigt, so kann ein Einzelner oder eine Einzelne kaum kneifen. 

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen das «Grauen» eben doch sehen wollen. Ist das Thema bekannt, so wird es auch oft gegoogelt. Jugendliche suchen danach. Vielen dürfte jedoch nicht klar sein, wie belastend der Anblick ist und mit welchen Folgen man allenfalls rechnen muss. Auch wenn wir im ersten Moment mit bekannten Schutzmechanismen reagieren, die Bilder holen einem früher oder später ein. 

Tipps:

  • Fragen Sie die Kinder, ob sie ein Video mit einer Selbsttötung gesehen haben. Wenn dies der Fall ist, so halten Sie fest, dass Sie «ohne Schimpfis» für Gespräche zur Verfügung stehen. 
  • Wenn das Kind das Video nicht gesehen hat und es auch wenig wahrscheinlich ist, dass es das Video gesehen hat, bohren Sie nicht weiter. Sonst wird das Kind erst recht neugierig. 
  • Bei Jugendlichen ist es oft angezeigt, über solche Videos zu sprechen, selbst wenn sie diese noch nicht gesehen haben. 
  • Versuchen Sie die vorhandene Neugier zu verstehen und trotzdem aufzuzeigen, dass ein solches Video die Psyche belasten kann. Ein Gespräch über diese Neugierde kann dieselbe auch wieder etwas dämpfen. 
  • Nennen Sie Ihren Kindern mögliche Gründe, weshalb sich Menschen das Leben nehmen könnten und zeigen Sie ihnen mögliche Auswege und Hilfsangebote für diese Situationen auf. Verweisen Sie auch auf Hilfsangebote für Jugendliche, die sich ob solcher Videos traumatisiert fühlen.
  • Betonen Sie sicherheitshalber auch nochmals, dass es nicht in Ordnung und sogar verboten ist, anderen dieses Video zu zeigen. 

Schülerinnen und Schüler sowie Eltern können sich mit Problemen jederzeit auch an die Mitarbeitenden von zischtig.ch wenden.

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