In Selbsthlifegruppen wird das Modell „HALT“ gerne zur Vermeidung von Rückfällen genutzt. Im Alltag der Medienerziehung hat es sich aber als Hilfestellung für den Umgang mit unangenehmen Situationen bewährt. 

Natürlich kann an dieser Stelle keine ausführliche Beratung wiedergegeben werden. Dennoch können nachstehende Gedanken der einen oder dem anderen vielleicht einen neuen Blick auf die heimische Prävention geben. 

Worum geht es?

Gemäss einer Publikation1 von Dr. Paula Helm von der Goethe-Universität Frankfurt am Main kommt das HALT-Modell aus der Welt der Selbsthilfegruppen, die mit dem 12-Schritte Programm arbeiten (Helm, P. 2017, S 226). Es soll helfen Rückfälle zu vermeiden. HALT steht für die Anfangsbuchstaben von hungry, angry, lonely und tired. Die Beobachtung besagt, dass bei Eintreten eines dieser Zustände die Rückfallgefahr steigt.

 

Alltagstauglich?

Selbstbeobachter werden schnell feststellen: Das ist alltagsrelevant! Nicht nur für Abhängige mit einer entsprechenden ärztlichen Diagnose. „Das trifft doch auf mich zu. Immer wenn einer dieser Zustände eintritt, greife ich zur Schokolade!“ „Immer wenn einer dieser Zustände eintritt, greife ich zum Handy.!“ Ist dies erkannt, kann das Modell quasi auch zum Vorbeugen von problematischem Verhalten genutzt werden. Gerade auch bezüglich der Mediennutzung. 

Schlechte Gefühle wegmachen

Tatsächlich ist der Mensch beständig auf der Suche nach einer Balance in seinem Gefühlshaushalt. Leider sind wir da nicht immer sehr präzise. Wir haben irgendwie ein leeres Gefühl? Selten fragen wir uns, ob es Durst, Einsamkeit, Bewegungsmangel oder ein fehlen von kognitiver Stimulation ist. Wir unternehmen einfach mal was um das schlechte Gefühl wegzumachen. So kann es auch kommen, dass wir uns daran gewöhnen bei schlechten Gefühlen nach dem Handy zu greifen. Etwas zu Posten oder zu Chatten führt dazu, dass in unserem Gehirn Dopamin ausgeschüttet wird. Dopamin gibt Glücksgefühl. Das Problem ist also vermeintlich gelöst. Nur: Mit solchen Kompensationen können sich effektiv Suchterkrankungen entwickeln. 

Vorbildlicher Umgang mit Bedürfnissen

Auf diesem Hintergrund werden zwei Aspekte sehr gut verständlich: 

  • Für die heimische Suchtprävention ist es entscheidend, wie mit Bedürfnissen umgegangen wird. Darf ein gelangweiltes Kind zur Beseitigung der schlechten Gefühle immer gleich ein Tablet oder den Fernseher nutzen? Oder wird immer wieder geklärt, weshalb die Langeweile da ist und wie das Gefühl allenfalls auch überwunden werden kann?
  • Es dürfte ausserdem klar sein, dass Kinder den bewussten Umgang mit Bedürfnissen noch nicht leisten können. Sie brauchen elterliche Unterstützung. 
  • Schliesslich spielt hier auch das Vorbild eine grosse Rolle. Was beobachtet das Kind bei den Eltern? Wie gehen diese mit schlechten Gefühlen um? Sind sie dann schnell am Handy? Vor der Glotze? Mit der Zigarette auf dem Balkon?

Ableitungen für den Alltag

Mit Blick auf diese Erkenntnisse lässt sich das HALT-Modell eben auch für die Prävention nutzen. Dies, indem wir dem bewussten Umgang mit Bedürfnissen immer wieder Aufmerksamkeit geben. Das muss berichtet, besprochen, reflektiert und allenfalls verändert werden. Dabei geht es nicht um die aktuellerweise oft zitierte „Optimierung des Lebens“. Das muss weder perfekt sein noch gepostet werden. Schon die Reflexion und eine einfache, gelegentliche Verbesserung des eigenen Verhaltens kann viel bewirken. 

  1. Aufgerufen am 05.05.2019: https://www.researchgate.net/profile/Paula_Helm2/publication/305673374_Begriffe_und_Konzepte_von_Sucht_bis_Autonomie/links/5bba4ef892851c7fde33a609/Begriffe-und-Konzepte-von-Sucht-bis-Autonomie.pdf []
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