Selbstkritik ist ein guter Anfang

„Die Jugendlichen sind dauernd online!“ war früher. Heute trifft dies für viele von uns Erwachsenen gleichermassen zu. Man hat sich schon fast daran gewöhnt. Die digitalen Medien sind so selbstverständlich geworden, dass wir gerne vergessen, dass das iPhone in der Schweiz erst seit 2008 erhältlich ist. Und die eigentliche Smartphone-Welle hat uns eigentlich erst seit 2010 richtig im Griff. Wenn wir uns die Zeit nehmen in der Öffentlichkeit mal vom eigenen Display aufzuschauen, so sehen wir meist Menschen, die ihren Blick auf ein Smartphone geheftet haben. Erwachsene wie Jugendliche. In der S-Bahn sind zudem häufig Erwachsene mit Tablets anzutreffen.

All diese Geräte und Anwendungen sind nicht per se schlecht. Doch wir müssen uns fragen, welches Vorbild wir abgeben. Kann ich noch einfach da stehen und auf den Bus warten? Oder muss ich gleich die Mails checken? Kann ich noch einfach so aus dem Zugsfenster schauen? Oder muss ich schnell die News auf 20min online checken? Kann ich noch einen Abend lang im Gespräch sein? Oder muss ich zwischendurch „WhatsAppen“? Vieles was wir heute können, müssten wir nicht. Tut uns am Ende auch gar nicht gut. Wer bisher auf dem Smartphone Mails gelesen hat, könnte folgendes Experiment durchführen: Verzicht auf Mails am Handy für zwei Wochen. Die meisten Testerinnen und Tester finden wieder zu mehr Ruhe. Und Kinder mehr Aufmerksamkeit und bessere Vorbilder. Denn längst fühlen sich die Kinder links liegen gelassen. Beispiele? Finden Sie hier:

Fazit: Auch viele von uns Erwachsenen müssen die sinnvolle Nutzung wohl noch finden. Und wenn wir ein Vorbild sein möchten, so gilt wohl zu allererst: So wenig wie möglich, so viel wie zwingend notwendig. 

So werden wir zum Vorbild

Natürlich ist es wichtig, selbst nicht zu viel online oder am Handy zu sein. Doch es geht um mehr. Kinder beobachten uns ganz genau: Was wir tun. Warum wir es tun. Wie wir es tun. Folgende Dinge können wir konkret beachten oder ändern:

  • Ich bin ein Vorbild in der Kanalwahl. Was muss „Face to Face“ besprochen werden? In welchen Situationen kann ich auch telefonieren? Wann ginge es auch mit WhatsApp?
  • Ich achte selbst darauf, kein Multitasking zu betreiben. Präsenz für eine Aufgabe oder das Gespräch ist wichtig.
  • Handyfreie Zeiten gelten auch für mich! Ich gehe mit gutem Beispiel voran und schalte mein Gerät auch immer wieder ganz aus.
  • Ich achte selbst darauf, Zeiten des Wartens, der Untätigkeit oder der Langeweile nicht immer mit der Beschäftigung am Handy oder Tablet zu überbrücken.

Handyregeln sind wieder ein MUSS!

Volle Präsenz, Konzentration, Anstand, … es gibt verschiedenste Gründe, die Mobiltelefone wieder etwas zurückhaltender zu nutzen. Auf jeden Fall macht ein heimischer Handy-Knigge Sinn. Gemeinsam könnten wir für zuhause beispielsweise Folgendes festlegen:

  • Das Smartphone hat am Tisch nichts zu suchen.
  • Das Smartphone gehört weder ins Bett noch neben das Bett.
  • Smartpones sind während dem Essen oder während Gesprächen auf stumm geschaltet.
  • Wir fotografieren nur in ausgewählten Situationen und wenn die anderen einverstanden sind.
  • Fotografieren in der Schule ist gänzlich untersagt.
  • Wenn es etwas zu verhandeln gibt, suchen wir das direkte Gespräch. WhatsApp ist nicht geeignet.
  • Wenn ich telefonieren muss, ziehe ich mich dafür zurück.
  • Im Kontakt mit anderen habe ich keine Kopfhörer drin.
  • Ich höre Musik so, dass es die anderen nicht hören.

 

Alternativen Zeigen – ermöglichen

Kinder sollten Eltern erleben, die auch ohne Bildschirm tolle Tätigkeiten pflegen. Wie ist es bei uns? Tanzen Sie? Wie ist es mit Musizieren, Malen oder Werken? Hobbys könnten den Kindern wichtige Impulse für eine „bildschirmarme“ Freizeitbeschäftigung geben. Und auch wenn es anstrengend ist: Als Eltern müssen wir uns für spielfreundliche Plätze ums Haus und im Quartier einsetzen. Denn: Die Kinder entwickeln sich optimal, wenn sie durch den Dreck rotzen, klettern und Rollenspiele veranstalten dürfen. Jugendliche brauchen Halfpipes und Plätze für Sport und Plausch. Auch wenn das zuweilen Lärm und Abfall bringt: Diese Investitionen sind wir den Jugendlichen schuldig.