Kinder sind im Netz stark mit Werbung konfrontiert. Während wir über Jahre schon üben, uninteressante Werbung zu ignorieren müssen Kinder auf einen Schlag in vielen Situationen mit Werbung umgehen können. Hier brauchen Kinder Unterstützung! 

Natürlich gibt es viele technische Möglichkeiten, wie man Werbung unterbinden kann im Internet (siehe Tipp 5). Aber die heutigen (oft gratis) Angebote im Internet wie Zeitungen, Radio, Fernsehen usw. müssen sich weiter über Werbung finanzieren können. Dementsprechend müssen Kinder in Sachen Werbung und Kostenfallen fit werden. Über eine adäquate Begleitung unterstützen Sie so die Kinder.

Was müssen Sie bei der Begleitung von Kindern über Werbung wissen?

1) Die Werbung passt zu den Interessen des Kindes und ist daher schwer als solche zu erkennen.

Soziale Netzwerke nutzen Infos aus unseren Profilen und analysieren, welche Inhalte geliked oder kommentiert werden. Daraus wird personalisierte Werbungen generiert. Ebenso werden in Cookies Informationen gespeichert. Zum Beispiel welche Webseiten aufgerufen, welche Daten in Formulare eingegeben oder einfach, was schon gesucht wurde.

Werbung kann für Kinder sehr verlockend sein. Mit Kinder gemeinsam auf Social Media Werbung anschauen lohnt sich. Für Kinder ist es schwierig, Werbung als solche zu erkennen. Nehmen Sie sich die Zeit: „Komm, wir schauen mal, ob wir alle Werbung erkennen.“

2) Was für Arten von Werbung gibt es?

Kurze Werbesequenzen auf YouTube erkennen Kinder noch relativ gut. Sie sind im Fortschritt-Balken gelb markiert. Kinder kennen teilweise auch schon Tricks, wie man diese „nervige, blöde Werbung“ überspringen kann. Wenn sich auf einer Webseite ein Pop-Up-Fenster öffnet, klicken sie es relativ schnell weg. Und auch die Bannwerbung können sie oft gekonnt ignorieren.

Schwieriger wird es, wenn sich die Werbung über das ganzen Display legt und man gar nicht gleich sieht, wo man sie wegklicken könnte. Da ist der Finger oft schneller und schon landet man auf der Seite der Werbetreibenden (und natürlich treffen sie da auch auf pornografische Inhalte, was bei ihnen selbst grosses Entsetzen hervorruft und sie denken, sie hätten was falsch gemacht).

Aber wirklich herausfordernd wird es für Kinder bei den sogenannten „Influencer„. Ein Beispiel: „Bilou“ ist ein Beauty-Produkt mit dem Bibi’s Beauty Palace grossen Erfolg hat. Auch wenn Kinder da noch begreifen, dass es „Werbung“ ist, sie finden solche Produkte einfach unglaublich toll, weil es von ihren Lieblings-Youtubern kommt. Aber wenn Kinder dann noch auf Fotos und Videos tolle Oberteile, coole Sneakers usw. sehen, die ihre „Stars“ gerade tragen, weckt das ebenfalls ein Bedürfnis, diese tollen Dinge zu besitzen. Selten wissen Kinder, dass ihre Stars diese Produkte von den Firmen geschenkt kriegen und sogar noch Geld verdienen, wenn sie diese Produkte in ihren Videos und Fotos unauffällig platzieren (auch wenn es schon einige Richtlinien zur Produktplatzierung gibt).

Tipp: Es lohnt sich also auch hier, gemeinsam mit den Kindern die Stars genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie verdienen die ihr Geld? Warum steht da jetzt noch eine Flasche mit einem superneuen Sprudelgetränk neben dem Let’s Play Spieler? Man kann fast ein Spiel draus machen: „Wer findet die gesponserten Kleidungsstücke und Gegenstände?“

3) Gratis gibt es nicht

Ihnen wird die Landeslotterie wahrscheinlich schon seit Jahren versuchen Millionen anzudrehen, ziemlich sicher per e-Mail (bei Vielen auch direkt im Spamordner zu finden).

Attraktiver bei Kinder ist es das neuste iPhone oder ein H&M-Gutschein, den man gewinnen kann, direkt aufs Handy per Chat. Oder eine „nur für kurze Zeit Aktion“ im Spiel, bei der für ganz wenig Geld ganz viele Münzen/Diamanten usw.  gelöst werden können.

Tipp: Grundsätzlich kann also mit Kindern auf den verschiedenen Altersstufen bereits thematisiert werden, dass man immer mit irgendwas bezahlt. Nicht immer direkt mit Geld, vielleicht sind es die persönlichen Daten des Kindes oder eben diese Werbung, welche bei mehrmaligem Anschauen das Bedürfnis verstärkt, dieses Produkt erwerben zu wollen.

4) Apps dürfen auch mal was kosten

Es kann sich somit lohnen, für eine App auch mal ein paar Franken auszugeben. Oft gibt es eine werbefreie Pro-Version, die uns die Nutzung der App einfach enorm erleichtern, angenehmer macht. Wer gute Apps programmiert soll schliesslich auch etwas verdienen dürfen. Und Ihre Kinder schützen Sie damit aktiv vor Werbung.

5) Konkrete Einstellungen nebst aktiver Begleitung

Natürlich müssen Eltern informiert-unterstützend begleiten. Es macht keinen Sinn, dass man versucht ALLE Werbung zu umgehen.

Trotzdem: 

  • In-App-Käufe deaktivieren schützt vor ungewolltem Kauf.
  • Werbung blockieren ist auch auf dem mobilen Gerät möglich. Suchen Sie nach geeigneten Ad-Blockern.
  • Gute Webseiten ohne Werbung als Favoriten abspeichern statt immer neu zu googlen.

Zu guter Letzt: Bleiben Sie am Ball, diskutieren Sie mit Ihren Kindern auch immer wieder Beispiele, wo selbst für Sie nicht ganz offensichtlich war, ob es sich hier um eine Werbung, ein Gewinnspiel mit Datenverkauf oder gar um eine direkte Kostenfalle handelt.

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