Warum wir nicht sehen, was Jugendliche sehen. Die Algorithmisierung führt dazu, dass Kinder auf TikTok andere Inhalte angezeigt bekommen als Eltern. Wie kann man sich trotzdem auf dem Laufenden halten?
Eltern und Fachpersonen, die Apps und Plattformen erkunden, verschaffen sich einen klaren Vorteil: Sie entwickeln ein Verständnis für Funktionsweisen, Schutzmöglichkeiten und dafür was online tatsächlich passiert. Genau das ist jedoch gar nicht so einfach. Schnell zeigt sich, dass Kindern oft andere Inhalte angezeigt werden als Erwachsenen. Das hängt mit der starken Algorithmisierung sozialer Medien zusammen.
Warum sich die Feeds stark unterscheiden
Tatsächlich sind die Unterschiede teils erheblich. Das Angebot, welches beispielsweise TikTok für Jugendliche aufbereitet, orientiert sich an einer Vielzahl von Beobachtungen, die vorgenommen werden. Die Apps und Plattformen erfassen:
- Nutzerinteraktionen: Welche Inhalte gelikt oder kommentiert werden, wie lange ein Video oder Reel angesehen wird und welche Inhalte gespeichert, geteilt oder konsumiert werden.
- Content Informationen: Wie eigene Inhalte dargestellt werden, welche Themen sie behandeln und mit welchen Hashtags, Sounds oder Beschreibungen sie versehen sind.
- Nutzer-/Geräteinformationen: Sprache, Gerät, Geräteeinstellungen, Standortregion sowie die Zeiten und die Dauer, zu denen man online ist.
Auf dieser Grundlage erkennen die Apps und Plattformen Interessen und Abneigungen und leiten Verhaltensmuster ab. Da sich diese Faktoren bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen stark unterscheiden, bekommen Erwachsene nur ausnahmsweise angezeigt, was Jugendliche sehen.
Können mir die Kinder Einblicke geben?
Das Jugendalter hat es in sich: Man will sich von den Eltern eher abgrenzen. Jugendliche möchten den Eltern nicht alles zeigen und Eltern wollen auch nicht als Kontrolleur*in wahrgenommen werden.
Dennoch gilt:
- Wer sich aufrichtig, für die Themen der Jugendlichen interessiert,
- keine abschätzigen Bemerkungen macht und nicht mit hochgezogenen Augenbrauen reagiert,
- auf passende Momente warten kann (nicht abends vor dem zu Bett gehen),
- und es selbst ausprobiert, um es wirklich selbst zu verstehen,
hat gute Chancen, dass sich Jugendliche öffnen. Viele Jugendliche möchten eigentlich gerne zeigen und erklären, was ihnen online begegnet. Voraussetzung ist natürlich, dass es nicht sofort von den Eltern verurteilt wird.
Wer kann mir weitere Einblicke geben?
Medial kann man sich über neue Trends informieren. Hierzu hat sich in der Schweiz die Lektüre von Watson bewährt. Die immer wieder von aktuellen Themen aus der Online Welt berichtet.
Ausserdem ergeben sich immer wieder andere Gelegenheiten. Im eigenen Umfeld gibt es oft junge Menschen, die aus ihrer Onlinewelt berichten können. Vielleicht besteht Kontakt zu einem Neffen oder einer Nichte. Vielleicht finden sich im eigenen Betrieb junge Lernende, die auf nette Anfrage gerne zeigen welche Plattformen sie nutzen und was dort gerade angesagt ist. Und auch der Austausch mit anderen Eltern kann Einblicke geben. Wichtig: Mit Respekt und einem Vorschuss an Dankbarkeit fragen.
Autor*innen: Joachim Zahn und Vanessa Hau