Diese Regel wird immer wieder belächelt und unterlassen: „Das Kind sollte die Medien zusammen mit den Eltern nutzen.“ Eine kurze Begründung, warum das so sein sollte. 

Endlich ist es wieder mal offiziell: Im Rahmen eines Workshops auf dem nationalen Fachforum Jugend und Medien referiert Dr. Fabio Sticca und Prof. Dr. Sonja Perrenüber die Auswirkungen der frühen Mediennutzung bei Kindern. Wird Sprachkompetenz gefördert? Entstehen Defizite, wenn schon die Kleinsten vor dem Tablet sitzen und Youtube schauen? Und immer wieder die Aussage, dass es extrem darauf ankommt, unter welchen Bedingungen Medien gebraucht werden. Das beste ist, wenn Kinder gute Inhalte gemeinsam mit Erwachsenen nutzen. Insbesondere für die Sprachentwicklung kann gesagt werden, dass sich Tablet und Fernsehkonsum unter diesen Bedingungen nicht negativ auf die Sprachentwicklung auswirken (Taylor et al, 2018). 

Wie machen das die Eltern?

Gemäss Vorstudie zur „KiDiM-Studie“ des Marie Meierhofer Instituts in Zürich machen dies schon viele Eltern. In der Regel wird die Mediennutzung auch geregelt. Die Prämisse dieser Arbeit: Es ist erst eine Vorstudie. Diese wurde zudem in gut situiertem Milieu durchgeführt. Es wäre also zu prüfen, ob da alle mithalten können. Vielleicht ist auch zu fragen, ob viele Eltern einfach sozial erwünschtes Verhalten angegeben haben. 

Die Herausforderungen

Viele Eltern wissen, dass gemeinsame Mediennutzung wichtig ist. Bei der Umsetzung happert’s aber. Natürlich gibt das niemand gerne zu. Zu praktisch ist die „digitale Betreuung“. Beim Verräumen der Einkäufe, beim Kochen oder beim Telefonieren mit der Freundin. Die meisten haben auch ausserhalb dieser speziellen Momente nicht unbedingt Zeit, sich dem gemeinsamen Medienkonsum hinzugeben. Daher ist immer wieder zu hören, dass es eben doch anders ist. Das führt zu einem schlechten Gewissen. Leider ist dieses nicht förderlich. Durch diesen Stress fehlt die Musse, sich mit dem Problem nüchtern und wirkungsvoll zu befassen. Oft zeigt sich, dass Veränderungen erst möglich werden, wenn ich mir eingestehe, dass Handlungsbedarf besteht. 

Es gibt Tricks

Wer mehr gemeinsam mit dem Kind Medien nutzen möchte, kann sich vorbereiten. Willenskraft alleine reicht vielleicht nicht. An dieser Stelle erst einmal ein paar Kurztipps. Ausführlicher berichten wir in einem späteren Artikel: 

  • Zur Selbstmotivation: Gemeinsame Mediennutzung ist auch Beziehungszeit. 
  • Sie können sich immer wieder vergegenwärtigen, dass Ihr Kind auf die Auseinandersetzung mit Ihrer Meinung zum Gesehenen angewiesen ist. 
  • Die Kindersendungen sprechen Sie vielleicht nicht direkt an. Es kann helfen, die Sendung mit einem forschenden Auge zu verfolgen: Wie verhält sich mein Kind beim Fernsehen? Welche Aspekte sprechen mein Kind an? Welche Werte werden mit dieser Sendung eigentlich vermittelt? Höre ich da eine angemessene Sprache? Wie sind die Bilder gestaltet?
  • Es ist auch ok, für das Kind eine Vorauswahl zu treffen. Hierbei dürfen Sie sich auch fragen: „Mag ich das auch sehen?“
  • Lesen Sie sich zur jeweiligen Sendung oder App ein. Wenn Sie detaillierter wissen, worum es geht, so fällt es leichter, zusammen mit den Kindern Medien zu nutzen. Nutzen Sie dazu: flimmo.dehttps://www.flimmo.de oder app-geprüft.net


Grafik: Joachim Zahn

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