… aber nicht nur. Worauf ist zu achten? Denn: Soziale Medien faszinieren Jung und Alt. Jeder kennt es, viele haben es. Der Vater twittert, die Grossmutter spielt Games auf Facebook, die Tochter ist Instagram-Model und träumt von einer musical.ly-Karriere, während der Sohn auf Snapchat seinen neuen Youtube-Kanal vorstellt.

 

Faszination Social Media

Befürworter der Digitalisierung sehen in Social Media viel Potenzial: Beispielsweise ein grosses Publikum, dem man sich mitteilen kann und emotionaler Support. Zwei nützliche Funktionen zur Identitätsentwicklung und professionellen Selbstverwirklichung. Gleichzeitig können Beziehungen vertieft und Wissen erweitert werden. Auch Neuigkeiten zum globalen Geschehen verbreiten sich schneller.

 

Gesundheitliche Auswirkungen messen

Soziale Medien haben aber auch ihre Schattenseiten. Nicht erst seit den Amerikanischen Präsidentschaftswahlen werden solche auch regelmässig untersucht. Eine der aktuellsten und grössten Studien wurde 2017 von der Royal Society for Public Healt in Grossbritannien durchgeführt1. Gemessen wurden sowohl positive wie auch negative Einflüsse auf die Gesundheit. Fazit: Social Media ist der Gesundheit nicht zuträglich. Hier ein paar Feststellungen aus der Studie:

 

Sehen, was gesehen werden will

Schnell wird klar, auf Social Media kann ich meine Macken und Schwächen verbergen, mich neu erfinden oder mich so darstellen, wie ich gerne sein möchte. Jeder zeigt sich und sein Leben von der Schokoladenseite. Gepostet wird hauptsächlich cooler Content, um zu zeigen wie gut es einem geht, zum Beispiel wenn man gerade in den Ferien oder mit Freunden unterwegs ist. Schliesslich sollen auch ein paar „Likes“ gesammelt werden.

Gerade Kinder, aber auch Jugendliche oder Erwachsene, können zwischen Schein und Sein oft nicht wirksam unterscheiden. Plötzlich wünscht man sich, man sähe so aus wie die von Youtube, hätte so viele Freunde wie der von Instagram oder so ein tolles Leben wie alle anderen. Das kann die Selbstwahrnehmung extrem verfälschen und zu einem negativ wahrgenommenen Körperbild oder Depressionen führen.

 

FOMO – Fear of Missing Out

Eine zu grosse Abhängigkeit von Social Media kann bereits in der Psyche angesiedelte Ängste verstärken oder neue Sorgen hervorrufen. Häufig wird beispielsweise auf Soziale Netzwerke zurückgegriffen, um Langeweile zu vertreiben. Sitzt man also alleine zu Hause auf dem Sofa vor dem Smartphone und schaut nach, was der Freundeskreis so treibt, kann das ein Gefühl von Einsamkeit auslösen. Oder aber es kommt Neid auf, wenn Freunde, Bekannte oder Internet-Stars gerade etwas Besseres zu tun haben, als man selbst. Dabei nimmt eine ganz bestimmte Beklemmung einen hohen Stellenwert ein; die Angst, etwas zu verpassen (engl.: Fear of missing out). Weil man eben über alle Aktivitäten permanent informiert ist und alles mitverfolgen kann, besteht die Sorge, irgendwo nicht dabei zu sein. Als einziger etwas wichtiges, lustiges oder tolles zu verpassen. Daher wird auch übermässig oft zum Smartphone gegriffen.

 

Stressfaktor

Social Media kann Kindern und Jugendlichen viel Stress bereiten. Je nach dem herrscht ein mehr oder weniger subtiler Wettkampf um „Likes“ und Kommentare unter hochgeladenen Bildern, sowie der Wunsch nach einer möglichst hohen Zahl an Abonnenten oder Followern. Beliebt sein ist alles; das setzt Jugendliche schnell unter Druck und raubt Kindern den Schlaf. Teilweise wird abends im Bett noch stundenlang das perfekte Selfie für Instagram ausgesucht oder der heimliche Schwarm auf Snapchat ausspioniert.

 

Schlaf

Angst etwas zu verpassen? Stress sich regelmässig und cool einbringen zu müssen? Alle sozialen Netzwerke führen dazu, dass der Schlaf erheblich gestört wird. Regelmässige Social-Media Nutzer kommen abends schlecht runter und schlafen daher deutlich weniger.

 

Cybermobbing

Soziale Netzwerke bieten viel Raum für Übertreibungen, Prahlereien und Beleidigungen. Unter gewissen Youtube-Videos, Instagram-Bildern aber auch 20 Minuten-Artikeln werden ungehemmt  Drohungen und Beschimpfungen ausgeteilt. Gehäuft negative Kritik und Kommentare können online in sogenannte Shitstorms ausarten. Mobbing-Probleme gab es schon immer, sie werden aber durch Soziale Medien extrem vereinfacht und verstärkt. Schriftlich und nicht selten anonym wird Dampf abgelassen, da man dem Adressaten ja dabei nicht ins Gesicht blicken muss.

 

Fazit

Das Thema Social Media und Gesundheit sollte also durchaus ernst genommen werden. Kindern muss vor Augen geführt werden, wo sich Mehrwert verbirgt und wo Risiken bestehen.

 

Bild: Fotografischer Ausschnitt aus erwähnter Studie

  1. #StatusOfMind – Social mediea and young people’s mental health and wellbeing. Publiziert unter www.rsph.org.uk/our-work/campaigns/status-of-mind.html []
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