Freundliches und sicheres Telefonieren sind wichtig bei der Lehrstellensuche. Doch wie kann dies bei Jugendlichen gefördert werden? Verstehen, fördern, konfrontieren und regulieren.

Wenn es auf die Suche nach einer Lehrstelle oder einem Praktikumsplatz zugeht, so ist es unabdingbar, dass Jugendliche am Telefon einen guten Eindruck machen. Bei den meisten funktioniert das allerdings nicht. Manche nehmen das Telefon schon gar nicht ab, wenn sie die Nummer nicht kennen. Andere melden sich mit einem unfreundlichem „Hallo“ und es folgt ein hölzernes „Gestaggel“.

Auch im weiteren Prozess versuchen die Jugendlichen ein Telefonat um jeden Preis zu vermeiden. Dabei werden diese Kompetenzen gerade von Arbeitgebenden erwartet. Umso mehr seit alle Jugendlichen ein Handy haben.

Medienerziehung mit Pubertierenden betrifft also auch diesen Punkt. Mit den vier Handlungszugängen, welche bei den Elternabenden für die Oberstufe besprochen werden, könnte das wie folgt aussehen:

Verstehen

Um mit der notwendigen „Coolness“ an die Sache heranzugehen, versetzen wir Eltern uns am besten in die Situation der Jugendlichen. Wenn wir uns unsere eigene Pubertät vor Augen halten, so können sich die meisten daran erinnern, dass sie das Telefon nicht gerne abgenommen haben. Mit den Möglichkeiten des Chatten und Googlen haben die Jugendlichen noch besser gelernt, bei allem Neuen oder Fremden auf Distanz zu bleiben. Somit entwickeln sie auch keine Routine beim Telefonieren oder dabei andere Leute nach etwas zu fragen. Zudem kommt es immer wieder mal vor, dass ein Callcenter oder ein ominöser „Microsoft-Mitarbeiter“ anruft.

Mit der Warnung vor den bösen Fremden haben wir Eltern allenfalls auch unseren Teil zu dieser Verhaltensweise beigetragen. Mit diesen Beobachtungen im Kopf können wir Jugendliche anders ansprechen: „Ich verstehe, dass Telefonieren unangenehm sein kann. Aber du schaffst das.“

Fördern

Eltern können die Fähigkeit zum Telefonieren mit etwas Training fördern. Rufen Sie an statt zu whatsappen. Das telefonische Verhandeln alltagspraktischer Fragen bedarf der Übung. Es kann sich aber auch lohnen, da im Chat ohnehin sehr viele Missverständnisse entstehen.

Fördern könnte ausserdem heissen, dass zu bestimmten Zeiten die Kinder das Telefon Zuhause abnehmen müssen. Der Patin oder dem Paten zum Geburtstag gratulieren? Natürlich per Telefon und nicht über WhatsApp oder Instagram.

Zur Förderung gehört auch, dass die Jugendlichen befähigt werden, mit dem Anrufbeantworter umzugehen. Arbeitgebende schätzen es sehr, wenn sie eine Nachricht hinterlassen können. Natürlich muss diese dann abgehört werden.
Schliesslich kann vermittelt werden, wie man mit ungebetenen Anrufer*innen umgeht. Machen Sie eine Antwort ab: „Nein Danke. Ich habe keine Interesse. Auf Wiederhören.“

Konfrontieren und Regulieren

Natürlich hat die Förderung bei diesem Beispiel Vorrang. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind während der Lehrstellensuche nur „Hallo“ sagt, so braucht es aber auch eine Konfrontation. „Nur ‚Hallo‘? Das klingt defensiv bis unhöflich. Sag doch bitte deinen Namen. Die anrufende Person will wissen, ob sie die gesuchte Person am Telefon hat. Sag ausserdem etwas Nettes wie ‚guten Tag‘, das kommt einfach besser rüber.“
Mit solchen Konfrontationen und Formulierungsvorschlägen sollte es funktionieren.

Leider kommt es bei manchen Jugendlichen vor, dass sie sogar mit Panik reagieren oder wirklich nicht im Stande sind zu telefonieren. Hier braucht es Regulierung. Der Einsatz der Combox hilft. Anrufende können ihr Anliegen auf den Telefonbeantworter sprechen. Der Angerufene kann sich danach auf den Rückruf vorbereiten. Er agiert aus einer aktiveren Position heraus.

PS: Den Jugendlichen zu empfehlen, bei der Bewerbung keine Telefonnummer anzugeben, ist keine Lösung. Solche Dossiers sind bei vielen Arbeitgebenden nicht beliebt.

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