Erst war die übermässige Kritik an „Neuen Medien“ weit verbreitet. Dann kam der Hype! Inzwischen ist klar: Die Vorteile von Medien lassen sich nur nutzen, wenn die Kinder auch Schutz und Anleitung erhalten. Braucht es Minimalstandards?

Wenn es um Medien und Medienerziehung geht, so sind heute noch viele unterschiedliche Ansichten und Ausprägungen festzustellen. Die einen haben es gerne etwas strenger, die anderen lieber etwas lockerer. Und viele suchen den guten Mittelweg. Letzteres ist zu empfehlen. Die Extrempositionen rühren aus der Zeit, als das Internet entweder als „grosse Bedrohung“ oder „Segen für die Menschheit“ bezeichnet wurde. Beide Meinungen sind in dieser Vereinfachung nicht haltbar. 

 

Medien – Potent wie …

Wenn wir die vielen Eindrücke, Untersuchungen und Argumentationen zusammentragen und reflektieren, kann als aktuelles Fazit wohl festgehalten werden: Digitale Medien sind extrem potente Instrumente. Wenn wir sie sinnvoll einsetzen, so können wir viel profitieren. Beispielsweise in Medizin und Forschung. Auf der anderen Seite kann mit den digitalen Medien extremer Schaden angerichtet werden.

Digitale Medien als Technologie können mit der Nukleartechnologie verglichen werden. Diese hat viele gute Fortschritte ermöglicht, auf der anderen Seite aber grosse Katastrophen, viel Not und Tod hervorgebracht. Digitale Medien als Möglichkeit des Medienkonsums kann man von der Potenz her auch mit Alkohol vergleichen. Neben der medizinischen und industriellen Verwendung kann er mit Mass durchaus genossen werden. Er hat aber ebenso die Potenz, jährlich Millionen von Menschen ins Elend oder gar den Tod zu treiben. 

 

Empfindliche Lebensphase

Es ist unumstritten, dass Kinder und Jugendliche wichtige Entwicklungsschritte durchlaufen. In dieser Zeit sind sie verletzlich und brauchen einen gewissen Schutz. Daher dürfen sie weder Alkohol noch Tabak kaufen. Sie dürfen noch nicht beliebig Verträge abschliessen und auch bei Entscheidungen zur Gesundheit sind die Eltern zu konsultieren. 

Entsprechend setzt sich die Erkenntnis durch, dass Kinder und Jugendliche entgegen aller Behauptungen zur „Grossartigkeit der Digitalen Medien“ elterlichen Schutz brauchen. Eigentlich bräuchten sie auch staatlichen Schutz. Doch diesen will man mit Rücksicht auf die Wirtschaft noch nicht gewähren. 

 

Konsens – Minimalstandards

Die vielen Diskussionen, Forschungserkenntnisse und Praxiserfahrungen haben dazu beigetragen, dass sich die letzten Jahre in Sachen Medienerziehung Minimalstandards entwickelt haben. Folgende 10 Punkte erachten wir als bewährt und zentral: 

  • Die wichtigste Erkenntnis und Vereinbarung: Es ist nicht gut, Kinder und Jugendliche durch Tablet, Handy und Fernseher betreuen zu lassen. Ein zwei Ausnahmen im Monat mögen ok sein. Aber der regelmässige Einsatz der Medien für ein störungsfreies Kochen oder störungsfreies Zeitungslesen schadet den Kindern. 
  • Es ist ebenso unbestritten, dass Kinder klare Medienregeln brauchen. Insbesondere der zeitliche Umfang der Mediennutzung sollte klar geregelt sein. 6- bis 9-Jährigen reichen 5 Stunden Bildschirmzeit pro Woche. 10- bis 12-Jährige sollten pro Woche nicht mehr als 10 Stunden vor dem (Handy-) Bildschirm verbringen. Mehr unter: zischtig.ch/grenzen
  • Vor 11 kein eigenes Smartphone. Gut, dass viele Eltern warten. Sobald das Kind ein Handy hat, geht der Stress los. Lange Handynutzung, Medienkonsum und kriminelle Onlinekontakte bringen Probleme für Kinder und Familien. Und wird ein Handy übergeben, so muss geklärt sein, dass die Eltern dann und wann zusammen mit dem Kind Kontrollen vornehmen. 
  • Wer ein Handy oder ein Tablet nutzt, kann surfen und chatten. Damit sind die Kinder Beleidigungen, Kostenfallen und Pornografie ausgesetzt. Kinder brauchen daher viel Anleitung und Begleitung. Mehr unter zischtig.ch/whatsapp-fuer-kinder/
  • Handys, Tablets und (Smart-) TVs gehören auf keinen Fall ins Kinderzimmer. Kinder mit Elektronischem im Zimmer schlafen eine Stunde weniger. Sie schlafen auch schlechter. Bieten Sie eine Aufbewahrungsmöglichkeit im Wohnzimmer.
  • Kinder müssen bezüglich Medien Anstand lernen. Das ist wichtig für die Sicherheit im Chat. So gilt: nichts Unangenehmes im Chat oder per Mail kommunizieren. Das gibt immer Schwierigkeiten. Und: In Gegenwart von anderen legt man das Handy beiseite. 
  • Wer besser kommunizieren will, muss sortieren lernen. Gewisse Themen gehören einfach nicht in einen Chat. Für komplexe Aufgaben greift man besser zum Telefon. Alles was mit Gefühlen oder Sexualität zu tun hat, wir besser von Angesicht zu Angesicht beraten.
  • Digitale Medien machen bequem. Eltern sind herausgefordert auch die non-medialen Freizeitaktivitäten zu fördern und zu fordern.  
  • Schliesslich gilt es, Altersempfehlungen einzuhalten. Diese sind nicht „einfach so aus einem Gefühl heraus“ vorgenommen. Wie bei Altersgrenzen für Nikotin oder Alkohol basieren sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. 
  • Die kreative und sinnvolle Mediennutzung muss gelernt werden. Kinder haben das nicht in die Wiege gelegt bekommen. Sie brauchen Eltern die es vorleben, vorzeigen und gute Apps kaufen. 
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