Wenn Kinder „stürmen“, haben wir Eltern zuweilen den Impuls, die Mediennutzung für Frieden und Zufriedenheit zu erlauben. Wieviel? Warum? Oder nicht?
Medienerziehung folgt nicht immer dem Wissen über Ursachen und Wirkung. Im Alltag sind wir Eltern herausgefordert, in Situation schnell Entscheide zu fällen. Schnelle Entscheide sind oft emotional gefärbt. Daher versuchen wir im Alltag Faustregeln oder Merksätze zu etablieren.
Die Situation
Was wir von Eltern oft vernehmen: Es gibt einfach Situationen, da hat man das Gefühl, die Kinder würden leiden, wenn Sie jetzt nicht vor den Fernseher oder vor das Tablet dürften. Situationen innerhalb derer die Kinder vielleicht gar weinen oder mit viel Drama stürmen: „Aber ich wiiiiiillll jetzt ans Tablet! Ich mag nichts anderes!!!“ Diese Situation ist in mehrfacher Hinsicht eine grosse Herausforderung:
- Wir möchten ja, dass das Kind glücklich und zufrieden ist.
- Wir möchten den Konflikt beenden.
- Und vielleicht möchten wir den Kindern gefallen.
- Alles sachlich zu bedenken bräuchte jetzt etwas Abstand und Energie.
Es muss auch gar nicht immer so heftig sein. Wenn wir sehen, dass Kinder gerne Trickfilme schauen, geben wir zuweilen auch vorauseilend zu viel Zeit für Bildschirmmedien.
Weichenstellung
Es ist absolut normal, in solchen Situationen auch einfach mal aus dem Bauch heraus sich für eine Zeit vor dem Tablet oder dem Fernseher zu entscheiden.
Leider ergeben sich daraus jedoch schnell Gewohnheiten und es lohnt sich gewisse Annahmen zu überprüfen: Ist es denn wirklich so, dass man den Alltag zuhause nicht schafft, wenn die Kinder nicht immer wieder vor den Bildschirm können?
Es bräuchte wohl eher einen Grundsatzentscheid, an den man sich immer wieder erinnert. Einen inneren Merksatz: „Wenn Krise, dann besser kein Bildschirm.“
Was macht glücklich?
Wie könnte man auf diesen Merksatz kommen? Wenn wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, so gehen wir oft der Frage nach, was denn eigentlich glücklich macht. Erstaunlicherweise werden selten Beschäftigungen vor dem Bildschirm genannt.
Mit Blick auf die Wissenschaft könnte man sagen, dass folgendes glücklich macht:
- Eine gute Eltern-Kind Beziehung ist für späteres Glück besonders evident. [1]
- Entscheidend sind ausserdem Freundschaften und soziale Kontakte. [2]
- Anderen zu helfen bringt uns einen Sinn und ein gutes Gefühl. [3]
- Regelmäßige Bewegung, besonders an der frischen Luft, stärkt uns. [4]
- Und weniger Stress wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus. [5]
Was wir gewinnen könnten
Natürlich: Es kann Krisensituationen geben, die den Einsatz von Bildschirmen wirklich verlangen. Beispielsweise, wenn ich trotz Kinderbetreuung einen absoluten Notfall managen muss. Diese Situationen sind aber selten. Daher könnten Fragen und Regeln nach Alternativen doch sinnvoll sein. Und manchmal braucht es den elterlichen Entscheid: „Natürlich weinst du jetzt. Ich verstehe, dass du gerade erschöpft und aufgebracht bist. Darum ist es besser, wenn du dich ins Zimmer zurückziehst. Ohne Tablet. Wenn es hilft, kann ich mich auch kurz zu dir hinlegen.“ Es geht nicht darum, jede Situation perfekt zu lösen, sondern darum, Gewohnheiten zu vermeiden und im Sinne des längerfristigen Glücks zu entscheiden.
[1] Bezug: https://www.nature.com/collections/eaeicjffaf
[2] Aus: Harvard Studie: Adult Development: https://www.adultdevelopmentstudy.org https://www.adultdevelopmentstudy.org
[5] Aus: Harvard Studie: Adult Development: https://www.adultdevelopmentstudy.org
Autor*innen: Joachim Zahn und Vanessa Hau