Neue Gadgets machen Freude. Doch mehr Bildschirme im Haushalt kann zu einer erhöhten Bildschirmzeit führen.
Oft ist man sich das gar nicht so bewusst: Schnell kommen in einem Haushalt mit zwei Kindern 10 bis 30 digitale Devices zusammen. Will heissen: Auch viele Bildschirme, welche die Neugierde der Kinder wecken kann. Damit erhöhen sich die Möglichkeiten, öfter am Bildschirm zu sein. Weil da eben noch ein alternatives Gerät ist, oder eines, das in den Augen der Eltern harmloser ist als vielleicht das Tablet von Papi.
Mehr Geräte mehr Bildschirmzeit?
Mindestens legte dies die Studie Adele+ von 2020 dar. Eine exzessive Mediennutzung ist in Haushalten mit vielen Geräten häufiger zu beobachten. Selbst wenn andere Faktoren ebenfalls zu einer übermässigen Nutzung führen können, die Anzahl an Tablets, Handys, Konsolen, Smartwatches und Laptops hat einen signifikanten Anteil. Das Argument ist auch verständlich. Wir kennen das selbst: Gerätchen sind quasi eine Handlungsaufforderung. Kindern und Jugendlichen erleben das noch viel stärker. Displays sind das Tor zu Spiel- und Unterhaltungswelten.
Einfach verräumen?
Familien, die sich dieses Umstands bewusst werden testen oft unterschiedliche Wege, um der Versuchung entgegenzuwirken. Für viele hat es sich tatsächlich auch schon bewährt, nicht benötigte Geräte klar wegzuräumen. Am besten irgendwo einzuschliessen. Das kann schon mal helfen. Aus den Augen, aus dem Sinn! Funktioniert. Meist.
Andere haben erlebt, dass Kinder die verstauten Geräte nicht vergessen und diese auch im Schrank der Eltern suchen. So bei uns ein Vater auch schon berichtet, dass er sich einen Safe kaufen musste.
Übrigens: Oft behalten wir alte Geräte aus einem seltsamen Sicherheitsbedürfnis heraus. Tipp: Kaufen Sie das neue Gerät erst, wenn Sie wissen, dass das alte aus dem Haushalt kommt.
Weniger Kaufen?
Tatsächlich wäre es sinnvoll, wenn wir in den Haushalten weniger Geräte hätten. Doch das ist auch nicht immer so einfach. Zum einen haben wir selbst Lust oder den Konsumdruck etwas neues auszuprobieren: „Diesen Fitnesstracker brauche ich einfach!“ „Für die Ferien möchte ich ein Handy mit einer besseren Kamera.“ etc. So überlisten wir uns gerne. Was könnte helfen, etwas mehr Vernunft und Disziplin walten zu lassen?
Diese Herausforderung zeigt einmal mehr: Es geht eben nicht nur um Medienkompetenz! Viel mehr geht es darum, sich selbst besser zu kennen und zu wissen, wie ich sinnvollen Verzicht herstellen kann.
- Vielleicht hilft die Selbsterkenntnis, wonach es eigentlich um einen „kindischen“ Trieb geht: „Haben!“ Eigentlich sind die Vorteile des Neuen oder zusätzlichen Gerätes nicht matchentscheidend.
- Liste der Rechtfertigungen: Einigen hilft es auch, einfach mal alle Gedanken aufzuschreiben, die für ein weiteres oder neues Gerät sprechen. Zum Schluss prüfen Sie, welche Argumente eigentlich Rechtfertigungen sind. „Die alte Kamera macht gute Bilder.“ „Der Fitnesstracker macht das Joggen jetzt auch nicht wirklich einfacher.“
- Manchmal kann ein Beschaffungsaufschub helfen. Neues Handy? Vielleicht. Aber frühestens in einem Monat.
Mit einem ehrlichen Blick geht es vielleicht schon auch um Medienkompetenz. Stellen Sie sich beispielsweise folgende Fragen:
- Habe ich das bei Freunden oder Fremden im Netz gesehen?
- War ich vielleicht doch fasziniert von der Werbung?
- Hat die Werbung eine Sehnsucht angesprochen?
Verspricht das Gerätchen ein cooles Erleben? Bringt es dann allenfalls doch viel Stress mit Installation, Update und Kosten?