Die Integration von Medien im Alltag ist ein Prozess. Was mal aufbauend war kann zu Belastung werden. Überprüfen gehört zu den wichtigen Kompetenzen.
Worum es geht
Für Erwachsene wie für Kinder gilt: Wenn wir neue Apps und Angebote entdecken, so geht es da oft um eine erste, einfache Bedürfnisbefriedigung. „Das gefällt mir! Das macht spass!“ Das erste Erleben kann daher sehr gut sein. Für Kinder vielleicht auch aufregend: „Cool! Ich kann mit Emma Chatten!“ Die Angebote werden als Aufbauend erlebt.
Leider muss das nicht so bleiben. Jede Anwendung hat ihr Schattenseiten. Ausserdem kann es durch eine gesteigerte Dosis, Abhängigkeiten oder unerwünschte Kontakte zu einer starken Veränderung des Erlebens kommen. Plötzlich sind diese digitalen Tätigkeiten belastend.
Beispiele?
Das Phänomen trifft nicht nur Kinder. Bei unzähligen Elternabenden hören wir von Eltern die selben Erfahrungsberichte: „Anfangs war Instagram echt verbindend und inspirierend. Heute nervt es mich eigentlich. Ich bin zu oft und zu lange auf Insta. Man sieht fast nur noch Werbung.“ Was einst als Aufbauend erlebt wurde wird zur Belastung.
Gleiches erleben auch die Kinder. Die ersten Chats haben etwas berauschendes. Nicht selten kriegen die Kinder feuchte Hände vor Aufregung. Es macht spass mit den engsten Freunden zu chatten. Aber für viele folgen auch belastende Erfahrungen:
- Was ist das belastende?
- In welchen Situationen erfährst du das?
- Wie kam es dazu? Empfindest du schon lange so?
- Womit könnte das zu tun haben?
- Weisst du, dass mir das manchmal auch so geht?
- Hast du Ideen, wie wir das verändern könnten?
- etc.
Kurz: Selbst so erfreuliche Dienste wie Chats können zur Belastung werden. Gleiches gilt für TikTok, Netflix, Brawl Stars, Roblox und selbst Spotify.
Selbsttest
In vielen Gesprächen hat sich gezeigt, dass es hilfreich sein kann, miteinander über solche Veränderungen zu sprechen. Wenn wir sehen, wie andere ähnliche Veränderungen konstatieren, so empfinden wir Solidarität. Das gibt Mut, etwas anzupacken. Warum nicht als Gruppe darüber beraten, wie man das Handy aus dem Schlafzimmer kriegt? Wie Social Media so gepflegt werden könnte, dass es wieder erfreulicher ist? Leider sind diese Gespräche nicht immer möglich. Daher: Prüfen Sie mit untenstehender Grafik [1] für sich oder zusammen mit ihren Kindern, ob sich allenfalls belastende Verhaltensweisen eingeschlichen haben. Erkenntnis ist der Ausgangspunkt für Veränderungen.
Vorbild
Eigentlich ist klar: Es bräuchte da und dort eine Verhaltensänderung. Es ist aber auch klar: Veränderungen sind schwer umzusetzen. Der Leidensdruck muss bei den meisten Anwender*innen extrem hoch werden, bis eine Veränderung an die Hand genommen wird. Und für Kinder fehlt es oft an Vorbildern. Wenn Kinder sehen: „Wow … Mami lässt neuerdings die Finger von Instagram!“ so wäre das jedoch sehr Wirkungsvoll. Doch wie geht man das an? Erste Artikel dazu finden Sie auf dieser Seite:
https://zischtig.ch/verhaltensaenderung/
https://zischtig.ch/konditionierung/
Wagen Sie etwas. Das gute: Sie profitieren selber davon.
Mit dem Kind
Nutzen Sie gute Kontakt Momente. Manchmal seufzen Kinder bereits ob schwierigen Erlebnissen mit Internet-Diensten. Vielleicht ist dies ein guter Moment die Qualität der Medienerfahrung zu reflektieren, darüber zu sprechen. Folgende Fragen können in solche Situationen helfen und allenfalls die Bereitschaft für Veränderungen einleiten:
- Was ist das belastende?
- In welchen Situationen erfährst du das?
- Wie kam es dazu? Empfindest du schon lange so?
- Womit könnte das zu tun haben?
- Weisst du, dass mir das manchmal auch so geht?
- Hast du Ideen, wie wir das verändern könnten?
- etc.
Perfekt ist, wenn das Kind eine eigene Einsicht hat. So kann mit elterlicher Unterstützung an kleinen Veränderungen gearbeitet werden. Und wenn es nicht so optimal läuft: Gelegentlich müssen wir Eltern die Kinder „spiegeln“: „Ich stelle fest, dass du einst viel Freude an Games wie Brawl Stars hattest. Da ging es um Endecken. Heute ist diese Freude weg. Du hast Stress, weil du Geld brauchst, weil Levens zu erreichen sind. Weil andere immer besser sind.“ Auf dem Hintergrund solcher Beobachtungen sind wir herausgefordert, vielleicht auch mal Grenzen zu setzen.
Kompensieren
Wichtig: Oft ging es ursprünglich mal um ganz essentielle Bedürfnisse. Chatten verbindet. Wenn der Chat zu Belastung wird kann er also nicht einfach ersatzlos gestrichen werden. Es ist stattdessen zu fragen: Wie kann ich das Kontaktbedürfnis wieder befriedigend erfüllt werden? Kann ich vielleicht wieder mehr abmachen? Müsste ich Chat-Kontakte blocken? Chat-Zeiten einführen?
