Begleitung der Kinder heisst auch, über die Qualität der Mediennutzung nachzudenken. Damit diese einen passenden Platz im Leben bekommt.
Während ich in den vorangehenden Artikeln sehr streng über die Lebensgestaltung „trotz“ oder „mit Medien“ nachgedacht habe, nähere ich mich mit diesem Text wieder näher an den Begriff der Medienkompetenz. Nichtsdestotrotz: Es soll auch vom alltäglichen Leben her angedacht werden, welchen Platz Medien haben sollen und wie sie Freizeit und Familienleben beeinflussen dürfen. Dazu ist eben auch zu fragen: „Und wenn ich vor dem Bildschirm sitze, worauf muss ich mit dieser Perspektive achten?“
Pausen sollten selbstverständlich werden
Für die Büro-Arbeit ist schon lange klar: Wir sollten regelmässsig aufstehen. Häufig zwischen Sitz- und Stehpositionen wechseln. Die Augen sollten zwischendurch in die Ferne schweifen und wir brauchen soziale Kontakte. Pausen! Dies gilt auch für die freizeitliche Mediennutzung. Nicht bloss aus gesundheitlichen Überlegungen. Pausen könnten uns auch den notwendigen Unterbruch geben, um festzustellen, dass wir eigentlich schon zu lange durch Instagram scrollen. So kann eine Pause auch zu einem Wechsel in eine sinnvollere Tätigkeit führen.
Gleiches gilt natürlich auch für die Kinder: Pausenlos auf YouTube ist nicht förderlich. Nach 10 Minuten sollte man Pausen einlegen. Auch Jugendliche profitieren von Tik Tok-Pausen. Und grössere Chatpausen können helfen, Stress abzubauen. Diese Pausen sollten vereinbart und beraten sein. Braucht es allenfalls Rituale? Immer zu dieser Zeit? „Wir pflegen eine Mittagspause von 30 Minuten“. Etc.
Was oft zu kurz kommt
Soziale Medien haben ihre Technik perfektioniert, mit unseren Emotionen zu spielen. Netflix und andere Streamingdienste bringen Serien mit viel Drama. So ist die freizeitliche Mediennutzung oft auf den Konsum von Bewegtbildern (Videos), Posts oder Musik beschränkt. Vereinzelt kommen News dazu. Diese sind jedoch auch oft darauf angelegt, einfach unsere Empörung zu schüren und Klicks zu geben. Dabei hätten Tablets, Handys & Co. viel mehr zu bieten. Meine Erfahrung: Wer diese Geräte fürs Zeichnen, Musizieren oder Schreiben verwendet, reduziert die Konsumzeit. In diesem Sinne: gehen Sie voran und suchen Sie die für sich passenden kreativen Anwendungen. Ob Sie mit Wattpad ein Buch schreiben, bloggen, auf dem iPad zeichnen oder musizieren, spielt keine Rolle. Und geben Sie den Kindern die Möglichkeit, sich an den Geräten kreativ zu betätigen. Das kann auch bedeuten, dass für eine App Geld ausgegeben werden muss. Das ist eine gute Investition.
Einbettung!
Idealerweise ist die Mediennutzung auch eingebettet. Will heissen: Es wird darüber gesprochen, debattiert und reflektiert. Dies hat viele Vorteile:
- Sie wissen, was Ihr Kind hört und sieht.
- In der Diskussion können neue Wissensbestände gefestigt werden.
- Problematische Inhalte können richtig gestellt werden.
- Sie haben aktive Beziehungszeit.
Somit ist es auch möglich, kritisch über Medien und Medienbeiträge nachzudenken. Warum scheint Google gratis? Warum gibt es bei PawPatrol so viele Problemlösungen mit „Gadgets“? Verwöhnen die vielen Belohnungen bei Duolingo? Kann ich danach noch ohne Belohnung lernen? Etc.
Zielgerichtet
Für mehr Zufriedenheit im Leben sollte es selbstverständlich werden, vor der Bildschirmnutzung nach dem Ziel derselben zu fragen: „Warum geh ich ans Display? Um Wartezeit zu überbrücken? Um jemanden mit einer Nachricht zu erfreuen? Um mich zu informieren? Um Langeweile wegzumachen?“ Eine Regel sollte sein: Ich nutze die LinkedIn, Amazon Prime oder WhatsApp nur, wenn ich damit einen klaren Mehrwert für die Situation erreiche. Ansonsten gibt es etwas Besseres: Atemübungen, ein Telefonat, Yoga, Innehalten, etc.
Hier wird es kritisch
Schliesslich gehört zur medienbezogenen Lebenskompetenz, dass ich immer wieder selbstkritisch fragen kann: „Wird mir das nun etwas sehr wichtig? Ergeben sich erste Nachteile daraus?“ Manchmal muss man sich diese Fragen „wirklich erlauben“. Ich halte mich hier ans Motto: Die Wahrheit ist freundlich. Wenn ich zu viel in den News hänge und zuweilen ein schlechtes Gefühl hochkommt, so kann es ja entlasten, dieses Verhalten zu hinterfragen und zu verändern. Bezüglich der Nachteile ist festzustellen, dass diese nicht immer sofort erfahrbar werden. Man kann sich jedoch ausrechnen, wie es sich auswirkt, wenn man für die Kinder weniger ansprechbar ist, wenn man keine Bücher mehr liest, keine journalistischen Beiträge mehr konsumiert, etc.
Alle Viele der obigen Fragen sind an uns Erwachsene gerichtet. Sie können auch mit Kindern und Jugendlichen diskutiert werden. Und wenn noch keine Diskussion möglich ist, so sollten wir über Regeln und Gewohnheiten eine entsprechende Praxis fördern. „Wir machen Pausen!“