Wie kann ich mit Jugendlichen über Onlinesex ins Gespräch kommen? Kein leichtes Unterfangen. Ein paar Tipps für Jugendarbeitende und Sozialpädagogen können helfen.

Mit den heutigen Geräten, sei es Smartphones oder auch Tablets, ist es keine Hexerei mehr, schnell und unproblematisch pornographische Inhalte im Netz zu konsumieren. Da den Jugendlichen im Netz ein grosses Angebot zur Verfügung steht, welches sie über ihre Endgeräte einfach erschliessen und sie somit eine Fülle an Onlinesex-Inhalten konsumieren können, ist es wichtig, mit ihnen über Hintergründe, mögliche Empfindungen, Chancen und Gefahren dieses Konsums zu sprechen.

 

Wie Beginnen?

Mit Jugendlichen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen, ist nicht einfach. Es braucht Herangehensweisen, welche die Jugendlichen ansprechen. Damit die Jugendlichen sich öffnen können und es nicht zu peinlicher Stille kommt, sollte man Ansätze für das Gespräch so aussuchen, dass sich die Jugendlichen nicht blamieren oder ihnen etwas peinlich wird. Hier ein paar Ideen, wie ein Einstieg gelingen könnte:

 

Was kennt ihr auf Youtube?

Man könnte mit Jugendlichen beispielsweise über Videos auf YouTube oder anderen Videoplattformen, die sie vermutlich kennen, sprechen. So quasi: Welche Kanäle kennt ihr zu diesem Thema? Man sollte dann nicht nur über den Inhalt dieser Videos reden, sondern die jungen Erwachsenen dazu animieren, sich verschiedene Fragen zu stellen: Wer betreibt welche Kanäle? Sind es Fachleute, Berater, Massenmedien oder die Entertainmentbranche? Welche Sprache wird verwendet? Ist es nützlich? Einen Kanal den man gemeinsam besprechen könnte, heisst „61 Minuten Sex“. Betrieben wird er von einem Paar, welches offensiv alle möglichen Aspekte rund um Sexualität und Pornographie bespricht.

 

Meine Frage anonym!

Man könnte die Jugendlichen auch auffordern, sich zu Onlinesex mit einem passenden Wort zu äussern und dieses Blatt dann in einen Korb zu legen. Anonym könnte man aus diesem Korb diese Wörter nehmen und anfangen darüber zu sprechen. Durch die Anonymität wird eine Hemmschwelle durchbrochen und die Jugendlichen können sich frei zur Thematik äussern und Stellung beziehen. Dadurch kommt man in ein offenes Gespräch selbst über peinliche Themen zu sprechen.

 

Alles Lüge?

Als Vorbereitung auf ein solches Gespräch könnte man Plakate vorbereiten. Z.B. könnte man „Lügen“/„Wahrheiten“ über Onlinesex auf ein Plakat vorschreiben und die Jugendlichen auffordern, ihre Gedanken zu diesem Thema auf den Plakaten festzuhalten. Danach könnte man zusammen die Gesammelten Gedanken austauschen und so in eine Diskussion hineingelangen.

 

„Immer die anderen …“

Man könnte ein „peinliches“ Gespräch auch dadurch beginnen, dass man quasi über Erfahrung von anderen erzählt: „Hat irgendjemand im persönlichen Umfeld bereits mit diesem Thema Erfahrungen gemacht?“ „Kennt ihr entsprechende Personen? Und welche Erfahrungen haben die betroffenen Personen im Hinblick auf das Thema gesammelt?“ Vielleicht ist es so, dass die betroffenen Jugendlichen lieber – aus einer Aussenperspektive – über die Erfahrungen von Drittpersonen erzählen und sich somit nicht bloss stellen müssen.

 

Stellung beziehen

Ma könnte Plakate mit zutreffenden Aussagen zu Onlinesex vorbereiten, diese Plakate im Zimmer verteilt aufhängen und die Jugendlichen auffordern, im Raum umherzulaufen und Stellung zu den Statements auf den Plakaten zu beziehen bzw. ihre Meinung dazu zu äussern. Dies könnte unter anderem so ablaufen, dass die Jugendlichen die Plakate jeweils mit „trifft zu“ „trifft gar nicht zu“ und „ich weiss es nicht“ kommentieren. Danach könnte man sich mit den Jugendlichen auf Basis der auf diese Weise gesammelten Ergebnisse über das Thema austauschen. Fragen könnten sein: „Pornos sind Frauenfeindlich“ Oder: „Mädchen schauen auch viele Pornos, geben es einfach nicht so gerne zu.“

Ein Dialog über Onlinesex und Pornografie im Internet mit den Jugendlichen ist wichtig. Sich dem Wandel der Zeit zu verschliessen ist nicht realistisch. Fast alle Jugendlichen verfügen über Gerätschaften, über die sie mit sehr geringem Aufwand mit Onlinesex in Berührung kommen können. Deswegen können wir mit ebenfalls geringem Aufwand über diverse Risiken und Gefahren des Onlinesex-Konsums sprechen und somit die Kompetenzen und damit ein verantwortungsvoller Umgang lehren und fördern.

Nützliche Links die den Jugendlichen weiter gegeben werden könnten:

www.feelok.ch

www.lilli.ch

www.tschau.ch

www.sundx.ch

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