Die Nutzung von Bildschirmmedien im Vorschulalter wird sehr breit debattiert. Verständlich, da diese Medien bereits zur Lebensrealität von Kleinkindern gehören. Im Rahmen unserer Elternabende für Eltern von Kindern im Vorschulalter und/oder Kindergarten wird das Thema meist kontrovers diskutiert. Im Bildungsbereich wird oft von Chancen und Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien gesprochen. Doch die Unsicherheit aufgrund möglicher Risiken beim Gebrauch digitaler Medien bleibt gross. Was hilft?

Ständig versucht mein Kind, zum Handy zu greifen. Ist es süchtig?

Es ist völlig normal, dass selbst die kleinsten Kinder stark auf Bildschirmmedien reagieren. Zum einen ist es das farbige Display, das bewegte Bild, die Geräusche und Töne. Zudem ist das Handy aber auch das Gerät, womit das Baby die Eltern und andere Erwachsene ständig sieht! Ein natürlicher Drang, dem Eltern nicht einfach nachgeben dürfen.

Eine stabile Bindung ist das A und O

Gerade in den ersten Lebensmonaten und -jahren müssen Kinder wichtige Entwicklungsaufgaben bewältigen. Vor allem eine stabile Bindung zu den Eltern gibt die entscheidende Sicherheit für eine gesunde Entwicklung. Diese Bindung entwickelt sich in einem anregenden Miteinander und in einem intensiven Austausch über körperliche Nähe, Blicke, Berührungen, Worte und das aufeinander Eingehen.

Veränderung des Familienalltages

Eltern sind mehr denn je herausgefordert bei der Mediennutzung ihrer Sprösslinge. Zur fortschreitenden Digitalisierung kommen nun auch Veränderungen aufgrund des Coronavirus hinzu. Die Eltern sind im Homeoffice und die Kinder sehen Ihre Eltern noch öftere am Bildschirm. 
Kinder kommen sehr früh mit digitalen Geräten in Kontakt. Der Kontakt zu Bildschirmmedien lässt sich definitiv nicht komplett verhindern. Egal ob unterwegs im ÖV, die Eltern zuhause im Homeoffice oder am Wochenende der Videocall mit den Grosseltern: die Medien sind im Familienalltag präsenter denn je. Vor allem, wenn noch ältere Geschwister im selben Haushalt leben, sind Eltern stark herausgefordert, Kleinkinder so wenig Bildschirmzeit wie möglich auszusetzen. 

Wie schädlich ist die Mediennutzung durch Kleinkinder?

Kinder im Vorschulalter (4 bis 6 Jahre) kommen immer häufiger mit digitalen Medien in Kontakt. Die Adele+ Studie aus der Schweiz publizierte 2020 ihre Forschungsergebnisse zur Frage, wie stark der digitale Medienumgang mit gesundheitsrelevanten Aspekten in Verbindung gebracht werden kann. Bei den gefundenen Zusammenhängen handelt es sich um kleine Effekte und die Frage hinsichtlich Ursache und Wirkung kann die Studie nicht eindeutig beantworten. Doch folgende Zusammenhänge zeichnen sich ab:

  • Schlafqualität: Je mehr Zeit Vorschulkinder täglich vor einem Bildschirm verbringen, umso häufiger leiden sie unter Schlafstörungen 
  • BMI: Längere Bildschirmzeiten sind mit höheren Körpergewichts-Werten assoziiert.
  • Hyperaktivität: Als hyperaktiv / unaufmerksam geltende Kinder weisen höhere Bildschirmzeiten auf als normalaktive Kinder
  • Permissiver Erziehungsstil: Die drei Grössen psychisches Wohlbefindenkörperliches Wohlbefinden und Schlafprobleme beeinflussen sich gegenseitig und stehen im Zusammenhang mit einem hochtoleranten Erziehungsverhalten. 

Auch wenn die Effekte klein sind und die Wirkrichtung nicht klar ist, geht aus dieser wie auch aus zahlreichen anderen Studien hervor, dass Eltern viel für das gesunde Aufwachsen ihrer Sprösslinge tun können.

Eine klare Haltung hilft

Kinder brauchen zur Orientierung Eltern mit einer klaren Haltung. Für die Festigung der Haltung können Eltern sich an den Bedürfnissen ihrer Kinder ausrichten. Kinder haben ein Bedürfnis nach Schutz (vor Gefahren, Krankheiten etc.), Bedürfnis nach sozialer Bindung, Anerkennung, Autonomie und auch das Bedürfnis nach Spiel und Spass. Daraus lässt sich eine Haltung ableiten:

  1. Kleinkinder brauchen viele direkte Interaktionen mit Eltern. Für die gesunde Entwicklung ist es zentral, als Schutz und zur Orientierung mit altersgerechten Regeln Grenzen zu setzen.
  2. Keine Bildschirmmedien vor dem Schlafengehen.
  3. Vorschulkinder brauchen viel Raum für Bewegung und Sinneserfahrungen. «Echtes Spielen» ist von grosser Bedeutung für die Hirnreifung von Kindern (Montag, 2018)

Das Vorbild als Chance

Natürlich ist hier auch das gute Vorbild gefragt. Zur Entlastung: Es gibt keine perfekten Eltern, aber Eltern, die immer wieder ihr Bestes versuchen. Zu einem guten Vorbild gehört, das eigene Mediennutzungsverhalten immer wieder zu reflektieren. Folgende Fragen und Hinweise können helfen:

  1. Leiden Sie am Handyreflex? Haben Sie manchmal das Handy in der Hand, ohne es bewusst hervor genommen zu haben? (und hier nochmal: So geht es uns fast allen. Ein Bewusstsein dafür hilft).
  2. Wie viel Zeit verbringen Sie auf welcher App? Deckt sich ihre Einschätzung mit den tatsächlichen Bildschirmzeiten, die auf dem Handy ersichtlich sind?
  3. Nutzen Sie einen Test zum Onlineverhalten für eine bessere Orientierung. Diese sind auf den Webseiten vieler Suchtpräventionsstellen aufgeschaltet.
  4. Ebenfalls kann das Buch «Digital-Life-Balance» von Franz Eidenbenz mit vielen wertvollen Tipps und Selbstchecks zur Reflexion nützlich sein.
  5. Ebenso wichtig: Wie sieht die Freizeitgestaltung der Eltern aus? Pflegen Sie noch ein Hobby fernab von Familie und Arbeit? 

Statt Verbote: Hilfsmittel

Zum Schluss: Eltern könnten denken, dass sie die Geräte am Besten gleich ganz aus den Haushalten verbannen sollten. Das wäre ein Trugschluss. Vielmehr ist entscheidend, dass Eltern sich bewusst sind, was wichtig ist für ihre Kinder. Zum Beispiel der Schlaf, oder dass man nicht alles erlaubt. Der gemeinsame Austausch mit anderen Eltern hilft, um weitere Tricks zu erfahren. Hier noch ein paar ausgewählte Tipps und Hilfsmittel:

  • Schauen Sie, dass auf dem Gerät, das auch mal von ihrem Vorschulkind genutzt wird, primär kreative Apps sind. Eine entsprechende Sammlung finden Sie hier: https://zischtig.ch/basic-apps/. Die Kinder sollen erst die Basisfunktionen wie Zeichnen, Tonaufnahme und Fotografieren kennenlernen.
  • Bücher als reale Medien sind weiterhin viel geeigneter als das Bilderbuch auf dem Tablet.
  • zischtig.ch hat ein Tischset entworfen mit  14 grundlegenden Tipps: https://zischtig.ch/tischset/ Dieses kann als Weiterführung für die Medienerziehung im Primarschulalter Orientierung bieten.

Für weitere ganz konkrete Tipps für den Familienalltag hat zischtig.ch einen Elternabend speziell für Eltern von Kinder im Vorschulalter/Kita konzipiert, erprobt und optimiert. Er berücksichtigt die neusten Erkenntnisse aus der Forschung sowie Alltagstrends verschiedener Apps und Phänomene. Lassen Sie sie sich von uns stärken, um mit mehr Sicherheit ihre Kinder im Medienzeitalter altersadäquat zu begleiten. Mehr dazu hier: >> Angebote

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