Bei vielen Kindern und Jugendlichen hat Instagram Facebook abgelöst. Bildkultur, mobil, einfach, schnell! Nur selten wird erkannt, dass auch hier gewisse Risiken bestehen.

Die Instagram-App ermöglicht es ihren Benutzern, über das Smartphone oder Tablet Bilder wie Videos ins Netz zu stellen, diese so der ganzen Welt zugänglich zu machen und Beiträge von anderen zu kommentieren. Es handelt sich also in erster Linie um eine Foto- und Video-Sharing-Plattform, mit Interaktions-Funktionen. 2012 wurde Instagram von Facebook aufgekauft. Die Altersfreigabe ist mit „12+“ angegeben. Übersetzt: Instagram ist eigentlich für Jugendliche ab der Oberstufe gedacht. Das wird jedoch in der Praxis kaum eingehalten.

Instagram = Kultur

Instagram wird schon länger von Kindern, älteren Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten und auch Firmen verwendet. Es werden zwar vermehrt, aber nicht nur Selfies, Urlaubs- oder Party-Schnappschüsse und Bilder von gutem Essen zur Schau gestellt. Auffallend ist nämlich, dass sich mittlerweile wahre Kunst-Szenen entwickelt haben. Gepostet werden Beiträge, die in Aussage, Bedeutung oder Bildqualität hohen Anforderungen entsprechen. Hobbys oder gesellschaftliche Themen werden bildnerisch aufgenommen und gestalterisch verarbeitet. Interessierte „folgen“ einander, bilden so neue Netzwerke und halten sich gegenseitig auf dem Laufenden.
 Aus einer erwachsenen, gesund kritischen Sicht kann Instagram als kulturelles Phänomen von grosser Bedeutung verstanden werden.

Instagram = Interaktion

Über Instagram kann man einfach, schnell und weitreichend interagieren. Bilder werden durch die Verwendung von Tags (z.B. #kunst, #fun) klassifiziert und auffindbar, während Nutzer mit dem „@“-Zeichen markiert und direkt angesprochen werden können.

Auch die Möglichkeit, direkt miteinander zu chatten, wird rege genutzt. Bei Jungen Erwachsenen wird der Erstkontakt häufig über Instagram aufgenommen. Will man jemanden besser kennenlernen, fragt man nach dessen Instagram-Namen und klickt sich mal durchs Profil. Auf gewissen Instagram-Accounts erfährt man nämlich einige Details über Interessen, Bekanntenkreis,  Vorlieben und Alltag ihrer Besitzer.

Instagram = Freunde-Album

Konkret ist es meist so, dass sich die Kinder oder Jugendlichen aus Parallelklassen und nahegelegenen Schulhäusern folgen. Sie wissen um die „Nicknamen“ der anderen, fügen diese auf der Liste der Leute, denen sie folgen hinzu und bleiben so auf dem Laufenden, was die anderen so machen.

Im Story-Modus kann man besondere Beiträge, die nach 24 Stunden wieder automatisch gelöscht werden, direkt unter dem Profilbild posten. Dort kann auch ein Live-Stream gestartet werden; Abonnenten schauen ihren Stars und Idolen bei Live-Aufnahmen zu und diskutieren per Kommentarfunktion in Echtzeit mit.

Wer Bilder hochlädt und postet, will natürlich auch ein gutes Feedback. Auf Instagram kann man, gleich wie auf Facebook, die Beiträge der anderen „liken“. Auch hier gilt natürlich: Je mehr „likes“ und „followers“, desto besser. Wer mehr Aufmerksamkeit wünscht, zeigt sich krasser, kreativer oder aufreizender. Oft wird auch durch den Einsatz von möglichst vielen treffenden Tags zu den geposteten Bildern deren Reichweite gefördert.

Instagram = Risiko
Instagram gehört zu den beliebtesten Sozialen Netzwerken von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen und wird meist sehr unbedarft eingesetzt. Vorzugsweise um Selbstmarketing zu betreiben, möglichst viele Abonnenten zu erhalten, Kontakte zu knüpfen oder zu flirten. Viele besitzen nicht nur einen Instagram Account, sondern mehrere Profile. Da verliert man schnell den Überblick über Passwörter, Benutzernamen, Privatsphäre und die Sicherheitseinstellungen auf den einzelnen Accounts. Doch auch bei Instagram ist zu beachten:

  • Ist die Ortungsfunktion mit Instagram verbunden, so wird anderen Nutzern allenfalls viel über den eigenen Standort, Wohnort, etc. verraten.
  • Oft werden im Steckbrief sehr persönliche Informationen zu Herkunft, Wohnort, Hobby, Alter oder anderen Kontaktdaten gemacht. Diese Informationen sind für alle Instagram-Nutzer*innen zu sehen.
  • Kriminelle und Pädophile haben die offenen Möglichkeiten von Instagram schon längst entdeckt.
  • Wenn man die Privatsphäre nicht aktiv schützt, kann jeder meine Bilder einsehen und kopieren. Viele Internetseiten bedienen sich bei öffentlichen Instagram-Accounts; sie speichern Fotos, Kommentare und Abonnenten ab.
  • Natürlich werden die Instagram-Inhalte auch über den eigenen Freundeskreis per Screenshot weitergeschickt. Mit der „Teilen“-Funktion kann man Bilder und Video auch direkt per WhatsApp oder Facebook Messenger weiterleiten.
  • Mit problematischen Bildern, Tags oder Kommentaren kann man sich schnell ein unvorteilhaftes Image schaffen.
  • Die Verletzung von Persönlichkeits- und Urheberrechten ist auch auf Instragram strafbar: bei Bildern, die man nicht selbst aufgenommen hat, sondern aus dem Internet hat oder bei Bildern, auf denen andere Personen deutlich zu erkennen sind, muss man aufpassen. Die darf man nicht ohne Weiteres veröffentlichen!

Fazit: Auch bei Instagram sind die Eltern herausgefordert, mit ihren Kindern die wichtigsten Risiken und Schutzmassnahmen zu besprechen.
Instagram selbst bietet schon eine recht gute Hilfe bezüglich Risiken und Datenschutzeinstellungen: help.instagram.com

Anouk Brunner, 06.12.2017

 

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