Wer sich anständig kleidet und schön essen kann gehört dazu. So lehrten uns unsere Eltern. Neu gilt: Wer beim Umgang mit dem Smartphone Anstand beweist hat die besseren Chancen. Seit jede und jeder ein Handy hat, lässt sich das Verhalten beim „Rumspielen“ und Kommunizieren nicht nur beobachten, sondern auch vergleichen. Wie „benimmt“ sich Ihr Kind ausser Haus mit dem Smartphone?

Sicher beobachten Sie unterwegs auch gerne Passanten, Mitreisende und Wartende. Aussehen, Kleidung und Auftreten werden Wahrgenommen und intuitiv beurteilt. Was könnte das für einer sein? Und was ist denn das für eine?

Zum Auftreten gehören heute nicht bloss Körperhaltung, Bewegung, Sprache und Umgang mit anderen Leuten. Immer stärker gehört auch das Verhalten im Umgang mit dem Smartphone dazu. Wir beobachten es, und andere tun dies genauso. Wir nerven uns, wenn wir den Sound des Mitreisenden im Abteil noch über dessen Kopfhörer fast in Zimmerlautstärke mithören müssen. Wenn das Gegenüber selbst bei einem Gespräch ständig aufs Handy guckt, ist das kränkend. Ein menschliches und freundliches Zusammenleben bedarf Handy-Regeln.

Doch wird das beobachtete Verhalten am iPhone oder Samsung auch immer öfter zur „Distinktion“ verwendet. Übersetzt: Wir machen uns aufgrund des Verhaltens ein Bild davon, ob jemand zu einer „guten Schicht“ gehört oder nicht. Wir denken eher abschätzig über jene, die nicht mehr vom Handydisplay loskommen. Und von Lehrmeistern wissen wir: Jugendliche, die während der Schnupperlehre ihr Smartphone zu oft in den Fingern halten, sind für eine Lehre weniger geeignet. Sie hatten eine „schlechte Kinderstube“.

Achten Sie mit Ihren Kindern daher auf die Einhaltung folgender Grundregeln:

  • Grundsätzlich: Es gibt Situationen, da ist das Handy tabu! Museen, Beerdigungen, Gedenkstätten, etc. Man muss eine Sensibilität für solche und weitere Situationen entwickeln.
  • Wenn wir mit anderen Menschen zusammen sind, so dürfen diese unsere Präsenz erwarten. Fürs Plaudern, für Gespräche, gemeinsames Essen oder auch Sitzungen schalte ich mein Handy auf Stumm und lasse es in der Tasche verschwinden.
  • Wenn ich trotzdem auf eine zu erwartende Nachricht reagieren muss, so mache ich dies diskret. Ich entschuldige mich und verlasse die Runde für einen Moment.
  • Die Geräte und Dienste sind mit Rücksicht zu nutzen. Verpönt sind lautes Telefonieren, Tastentöne, zu laute Musik auf dem Kopfhörer, hörbare Spielsounds.
  • Mit den engsten Freunden ist WhatsApp ohne Anrede und Gruss ok. Darüber hinaus wird heute wieder Stil und Form erwartet. Eine Nachricht hat eine Anrede, einen klar formulierten und richtig geschriebenen Inhalt sowie einen Gruss.
  • Auch beim Telefonieren gelten neue Anforderungen An Stil und Form: Nimmt man einen Anruf entgegen, so sagt man dem Gegenüber mindestens den Nachnahmen. Besser sind Vor und Nachnahme. Rufe ich jemandem an, so nutze ich dessen Combox, statt mit mehreren Anrufsversuchen Besorgnis auszulösen.
  • Wenn Eltern, Vorgesetzte oder andere Personen eine Nachricht übermitteln oder hinterlassen, so reagiere ich innert nützlicher Frist. Auch wenn ich nur mitteile, dass ich zur Anfrage noch nichts sagen kann.
  • Zu guter Letzt gilt:  Wer auch mal ohne Handy-Nutzung auf einen Bus warten oder an der Sonne sitzen kann, tut Gutes für sich und die Umwelt.

Solche und ähnliche Themen werden auch in den Schülerangeboten von zischtig.ch besprochen. Aber natürlich sind wir nicht die einzigen die sich mit solchen Fragen befassen. Einen guten Beitrag für vertiefte „heimische Diskussionen“ finden Sie im Beitrag „Smartphone-Etikette für Jugendliche“ von Philippe Wampfler.

JZ/

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