Die Kleinsten und die Bildschirmmedien? Vieles ist noch nicht erforscht. Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich.

Das iPhone begann sich in der Schweiz erst ab 2010 so richtig zu verbreiten. Schnell wurde deutlich: wir müssen beforschen, wie Jugendliche mit dem mobilen Internet, mit Messenger und Social Media umgehen. Nun ist aber zu beobachten, wie Kinder immer früher an diesen Geräten aktiv werden. Irgendwann ging es um Primarschüler:innen. Dann sprach man von Kindergartenkindern. Und heute müssen wir konstatieren, dass bereits im Vorschulalter sehr viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht wird. Viele Eltern sind froh, wenn ihnen die Kinder dank Paw Patrol mal eine halbe Stunde ermöglichen. Doch wie wirkt sich das auf die Kleinsten aus?

Wenig Forschung

Gerade wenn es um Kinder von 0 bis 6 geht, so sind noch wenig Forschungsdaten verfügbar. Logisch! So lange gibt es die mobilen Endgeräte noch gar nicht. Auch Konzeption, Finanzierung und Umsetzung von Forschungsarbeiten sind aufwändig. Die Kinder zu beforschen ist auch sehr schwierig. Fragt man die Eltern? Gibt es andere Orte und Möglichkeiten das Medienverhalten der Kinder zu beobachten oder zu messen? Langzeitstudien kann man natürlich vergessen.

Widersprüchliche Ergebnisse

Bei einigen Studien muss zudem festgestellt werden, dass sich die Ergebnisse teils widersprechen. Ist die Nutzung des Fernsehers nun sinnvoll für die Entwicklung von Sprache? Oder eben nicht? Hierzu gibt es unterschiedliche Befunde. Für die meisten ist nun schwer nachvollziehbar, wie es zu diesen Widersprüchen kommt. Wer hat schon die Zeit, Forschungsdesigns und Daten selbstständig zu prüfen? 

Oft ergeben sich diese Diskrepanzen aus unterschiedlichen Forschungsanlagen. Die eine Studie macht mehr klinische Experimente. Eine andere setzt mehr auf Befragung von Eltern. Aber welche Eltern werden befragt? Ist eine repräsentative Stichprobe aktuell überhaupt möglich? Wie ist nun mit diesen Widersprüchen zu verfahren?

Gibt es schon Trends?

Was die meisten Studien zeigen: es lohnt sich eher zu warten. Günstige Auswirkungen auf die Sprachentwicklung haben Tablet und Co. erst, wenn die Kinder älter sind. Zweitens: es zeigt sich, dass die günstigen Effekte eigentlich nur eintreten, wenn die Kinder in ihrer Mediennutzung begleitet sind. 

An dieser Stelle ist unsere Ehrlichkeit gefragt. Gerne nehmen wir uns vor, die Kinder dann wirklich zu begleiten. Jedoch: es lohnt sich der Realität ins Auge zu sehen. Der Familienalltag ist meist sehr komplex. Dies bedeutet, dass wir schliesslich doch nicht so viel Zeit finden, die Kinder in der Aneignung von Medien angemessen zu begleiten.

Vorsicht? 

Unter Würdigung solche Erkenntnisse und unter Berücksichtigung möglicher Nachteile für die Kinder, spricht alles für eine vorsichtigere Mediennutzung. Man darf auch nicht vergessen, dass oft nur einzelne Aspekte besprochen werden. Wir müssen jedoch feststellen, dass es unzählige Gefahren gibt: Kurzsichtigkeit, Abhängigkeit, Dopamin Fehlregulation, Cortisol Fehlregulation, Bewegungsmangel, soziale Defizite, schlechter Schlaf, etc. «Wir lieben unsere Kinder. Aus dieser Perspektive ist Vorsicht angezeigt. Wir verlieren nichts, wenn wir Kinder, insbesondere Kinder bis 10 Jahre, nicht zu viel vor den Screen lassen. Sie könne nur profitieren.»
Ich will mehr!
Wer sich doch mehr mit Studien und Handlungsempfehlungen befassen möchte, kann auf das „Positionspapier Digitale Medien und frühe Kindheit“ zurückgreifen. In diesem sind einige aktuelle Studienergebnisse und Widersprüche sehr gut zusammengefasst. Das 50- seitige Dokument macht Empfehlungen und liest sich gut.

%d