Natürlich haben Eltern Angst vor einer möglichen Suchterkrankung ihrer Kinder. Das beständige Beobachten und Messen verhindert leider viele Diskussionen. Es verstellt auch den Blick für andere Fehlentwicklungen. Eine Forschungsarbeit zeigt Wege auf.

Nach einer Analsyse der Beratungsanfragen bei zischtig.ch hat sich Folgendes gezeigt: Viele Eltern haben Angst davor, dass ihr Kind eine Internet- oder Gamesucht entwickeln könnte. Viele sind auf der Suche nach der Linie, ab welcher von einer Sucht gesprochen werden muss. Typisch ist denn auch die Frage, ab wievielen Stunden Internetgebrauch oder Gaming von einer Sucht gesprochen werden muss. 

Das stresst!

Im Gespräch mit Eltern und Kindern wird oft deutlich, wie belastend diese „Fixierung“ auf die Sucht ist. Es kann so weit kommen, dass Kinder wie Eltern an nichts anderes mehr denken können als ans Internet oder ans Gaming. Eltern beobachten, Kinder fühlen sich beobachtet. In der Folge ist das Klima in diesen Systemen gelegentlich eher suchtfördernd. 

Entstressen?

Um die Fragen nach möglichen Störungen differenzierter beantworten zu können wurde 2016 im Rahmen eines europäischen Projektes der Verlauf der Medienaneignung von Jugendlichen und Jungen erwachsenen untersucht. Um neue Kategorien zu entwickeln wurde im Projekt EU-NET-ADB1 vor allem qualitativ geforscht. So ist das „Modell der Vier“ entstanden. Die Ergebnisse zeigen: Es gibt eben nicht nur „süchtig“ oder „nicht süchtig“. 

Die Entwicklung sehen

Das Projekt EU-NET-ADB zeigt: Internet, Social Media und Gaming müssen sich Jugendliche und junge Erwachsene aneignen. Dies gelingt doch einer Mehrheit der jungen Frauen und Männer, auch wenn einige nur mit Mühe Ausbildung, Offlineaktivitäten und Medien unter einen Hut bringen. Dieser Erfolg stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Es geht um eine „Adaptions-Leistung“ die Zeit, Erfahrung und Unterstützung braucht. Das ist das Erste was Eltern helfen kann: Wenn Sie bei einem Kind ein problematisches Verhalten feststellen, so gehen Sie davon aus, dass das ja noch nicht das Ende ist. Das Kind steht in einer Entwicklung, die jetzt schwierig ist. 

Welche „Qualität“ hat die Mediennutzung? 

Sicher ist es nicht möglich, gleich eine entspannte Haltung zu finden. Dennoch kann das Konzept der „Entwicklung“ helfen, genauer hinzuschauen. Könnte es um eine vorübergehende Phase gehen? Muss das Kind nun einfach mal das Game besser kennen lernen? Könnte es sein, dass es damit auch lernt, das Game danach wieder beiseite zu legen? Welche Qualität hat die Mediennutzung des Sohnes oder der Tochter? Diese Fragen sind vor oder während eines Gespräches mit dem Kind unbedingt zu stellen. 

Entwicklungsprobleme?

Die Angst vor „der Sucht“ ist oft total blockierend. Das kann zu heftigen Massnahmen und Beziehungsstörungen führen. Mit Bezug auf erwähnte Studie wäre es vielleicht besser, von einem Entwicklungsproblem auszugehen. So beschreibt der Ergebnisbericht auch eher zwei mögliche Störungen. 

  • Geht es vielleicht immer mehr darum die Zeit totzuschlagen?
  • Ist das Kinder oder der/die Jugendliche in einer spezifischen Mediennutzung gefangen?

So kann man besser was machen …

Ist solches zu beobachten, bedarf es der Suche nach Alternativen der Zeitgestaltung. Allenfalls auch nach einer Befreiung aus der schon fast zwanghaften Mediennutzung. Wenn Sie solche Beobachtungen machen, so lohnt sich ein Gespräch mit den Fachkräften von zischtig.ch, dem kjpd oder einer anderen Fachstelle. 

  1. https://www.youth-life.gr/en/activities/welcome-to-the-eu-net-adb-project-s-homepage []
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