Mit dem Kauf von Smartphones machen wir uns an Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und Ausbeutung mitschuldig. Seit Ende 2015 kann das zweite Modell des Fairphones bestellt werden. Ressourcenschonend und fair produziert. Müssen wir umsteigen?

Der Abbau von Edelmetallen für Smartphones bringt Kinderarbeit, Elend und Tod in diese Welt. Auch die Produktionsbedingungen in den Handy-Fabriken sind mehr als menschenverachtend. Oder möchten Sie wöchentlich 60 Stunden arbeiten? Für einen Lohn der kaum zum Leben reicht? Ein Smartphone will ich. Aber ich will für dieses Elend nicht mitverantwortlich sein. Das Fairphone2 ist klar ein Schritt in diese Richtung.

 

FP2: Das saubere Handy

„Das Smartphone mit sozialen Werten“ ist auf fairphone.com/de/ zu lesen. Die verantwortliche Firma nennt sich denn auch ein soziales Unternemen. Vielleicht ist es besser, von einer Bewegung zu sprechen. Eine Bewegung, die sich für fair produzierte und lang nutzbare Smartphones einsetzt. Für die Smartphone-Produktion wird auf Folgendes geachtet:

  • Die Verwendung möglichst fair geschürfter und gehandelter Edelmetalle (In der Fachsprache: „seltene Erden“)
  • Das Produkte-Design ist auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit angelegt. So ist es beispielsweise möglich, den Akku oder das Display selbst auszutauschen.
  • Die Fertigung soll unter sicheren Arbeitsbedingungen und mit fairen Löhnen erfolgen.
  • Lebensdauer und Recyclierbarkeit sind wichtige Produkte-Merkmale.

Wenn wir uns bewusst machen, dass für unsere Welt die Uhr nicht bloss auf fünf vor Zwölf, sondern bereits auf fünf nach Zwölf steht, so ist ein Fairphone eigentlich ein Muss. Leider geniessen diese „Öko-Produkte“ einen schlechten Ruf. Ich wollte es genauer wissen und habe das Fariphone nun einen guten Monat getestet. Auf der Skipiste, in der alltäglichen Freizeit, im Business und im Rahmen meiner medienpädagogischen Tätigkeit.

 

1 Monat und 1 Tag im Test

Geliefert wurde das Fairphone2 von faircustomer.ch. Ehrensache. Auch wenn es bis zur Auslieferung etwas dauerte. Geliefert wurde ein ansprechendes Gerät in einer ansprechenden Packung. Die Rückseite meines Phones ist transparent. Ich sehe die zwei SIM-Karten Einschübe, die SD-Karte, den Akku, Antenne, Sensoren, etc. Im ersten Moment fühlt sich das Gerät nicht so „wertig“ an wie ein Sony, ein Samsung oder ein Apple Gerät. Vom „Look-and-feel“ her aber ein ansprechendes Gadget.

Der Test fand gewissermassen unter erschwerten Bedingungen statt. Bin ich doch seit Jahren ein eingefleischter iPhone Nutzer. Jetzt hatte ich plötzlich ein neues Phone mit einem neuen Betriebssystem. Zum Glück dann die Erleichterung: Adressbücher, Kalender und Musik von Apple lassen sich auch auf Android anmelden. Ich kann also meine Leute anrufen, Termine checken, Musik hören und Filme schauen. Auch meine Accounts von Teleboy, Dropbox, SugarSync, Instagram, etc. sind im Nu installiert und laufen anstandslos. Bezüglich Funktionalität bin ich also schnell wieder auf dem alten Stand. Auch sonst: Chromecast? Läuft! Gamen? Geht!

Anspruchsvoller war für mich als iPhone User die Umstellung auf das neue Betriebssystem und die andere Telefon-App. Das braucht seine Zeit, ist mit etwas Übung aber zu schaffen.

 

Nachteile?

Nach dem iPhone 6 macht mir zu Beginn die Fotografie am meisten zu schaffen. Die beim Fairphone eingesetzte Kamera ist in Kombination mit dem Fairphone verbauten Prozessor nicht ganz so flink und die Aufnahmen nicht automatisch so toll wie beim iPhone. Für den Alltagsgebrauch sind sie aber doch gut genug. Texte fotografieren? Geht! Schöne Momente festhalten? Geht! Aufnahmen für Dokumentationen erstellen? Geht!

Was mich zu beginn nervte: Es kann vorkommen, dass man das Handy vom Ohr nimmt und das Display nicht zurück kommt und man kann den Anruf nicht aktiv beenden. Hat man gerade jemandem auf Band gesprochen, so läuft die Aufnahme einfach weiter. Als das die ersten Male vorkam, musste ich glatt den Akku rausnehmen um aufzuhängen. Zum Glück hat mir die Fairphone-Community auf Facebook weiter geholfen: In den Einstellungen kann man definieren, dass der An/Aus-Knopf auch zum Beenden des Telefonats genutzt werden kann. Jetzt gehts.

 

Beim Fairphone bleiben?

Taugt das Gerät für unseren Alltag? Oder ist es einfach ein Gerät für Idealisten? Für mich lässt sich diese Frage mit einem Entscheid beantworten: Werde ich beim Fairphone bleiben oder wieder aufs iPhone umstellen? Bin ich bereit mein iPhone abzugeben? Schliesslich muss muss ein Smartphone in meiner Arbeit einiges können.

Hätte ich nach zwei Wochen entscheiden müssen, so wäre ich vielleicht aufs iPhone zurück gekehrt. Nach einem Monat zeigt sich aber: Das Fairphone ist mehr als gut genug. Es ist ein vollwertiges Smartphone, das von der Leistung her für 90% der Schweizer Bevölkerung reicht. Fotografen oder Personen die auf „Bling Bling“ stehen, dürften jedoch nicht auf ihre Rechnung kommen.

Fazit: Wenn Ihr Smartphone ersetzt werden muss, kaufen Sie den Menschen und der Umwelt zuliebe ein Fairphone.

 

Hilfreiche Links und Apps: 

Mit SmoothSync for Cloud Calendar und SmoothSync for Cloud Contacts kriegen Sie die Mac-Dienste auf Ihr Fairphone. Mit Double Twist lässt sich auch die iTunes Bibliothek samt Playlists anmelden.

Übrigens: Das Display des Gerätes lässt sich dank AirServer Connect auch aufs Apple TV übertragen.

 

Das Fairphone mit transparenter Rückseite. Gibt es auch anders.

Das Fairphone mit transparenter Rückseite. Gibt es auch anders.

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