Annahmen vor der Anschaffung prüfen: „Wir werden keine Handy-Konflikte haben“ Kann ich meinem Kind ein Handy kaufen, wenn wir über die Nutzung sprechen? Ist das realistisch? Können wir andere Themen auch besprechen? Eine kleine Checkliste.
Irgendwann ist es soweit und wir denken über die Beschaffung eines Smartphones für unsere Kinder nach. Vielleicht gibt es innerhalb der Familie auch Diskussionen über den richtigen Zeitpunkt. Uneinigkeit ist hierbei normal. Im Rahmen der Beratungen mit Partner, Partnerin oder Ex wird vielleicht auch erwogen, unter welchen Bedingungen ein Smartphone überlassen werden kann. Einige dieser Bedingungen werden uns immer wieder zugetragen. Solche Punkte sind zuweilen mit Vorsicht zu betrachten. Hier eine Auswahl an Aussagen mit kritischen Fragen dazu.
Aussage: „Ich werde mit meinem Kind aktiv über die Mediennutzung sprechen.“
Fragen: Werden Sie die Zeit finden? Können Sie schwierige Themen vorsorglich ansprechen? Tatsächlich nehmen sich viele Eltern vor, das Kind mit dem ersten Handy besonders gut zu begleiten. Sie nehmen sich vor, über die neuen Möglichkeiten, über Risiken und sinnvolle Verhaltensweisen zu sprechen. Man nimmt sich vor gemeinsam zu gamen und vielleicht auch gemeinsam durch YouTube oder TikTok zu scrollen. Die Realität sieht oft anders aus. Das ist kein Vorwurf. Der Alltag von Eltern ist anspruchsvoll und zuweilen stressig. Es geht darum zu prüfen, ob man wirklich bereit ist, das Kind effektiv zu begleiten. Vielleicht lohnt es sich, noch etwas zu warten. Vielleicht haben Sie gerade einen neuen Job angenommen oder stecken in einer Renovationsphase. Vielleicht ist es auch gut, zu prüfen: Bin ich gut vorbereitet? Habe ich mein Kind auch in Sachen Sexualität aufgeklärt? Wie ist das gelaufen? Bräuchte ich ein Bilderbuch als Hilfsmittel? Bräuchte ich dieses vielleicht auch zur „Smartphone-Aufklärung“?
„Ohne SIM kein Problem!“
Fragen: Gibt es weitere Sicherheitseinstellungen auf dem Gerät? Nutzen die Schulkolleg*innen Ihres Kindes allenfalls auch Dienste, die keine Handynummer benötigen?
In aller Kürze: Viele der Social Media und Chat-Anwendungen funktionieren auch über WLAN. Und selbst wenn Sie Ihr eigenes Netzwerk kontrollieren, gilt das nicht zwingend für Ihre Nachbarn. Ob ein Smartphone eine SIM-Karte hat oder nicht, macht bezüglich Sicherheit nicht unbedingt einen grossen Unterschied. Über altersgerechte Inhalte und Gefahren muss trotzdem gesprochen werden. Was sich ändert, ist in einigen Fällen lediglich der mobile Internetzugang ausserhalb des Hauses. Ausserdem können die Kinder kein WhatsApp nutzen, weil hierfür eine Telefonnummer nötig ist. In diesem Sinne: „Wir etappieren die Medienaneignung. Nicht alles aufs Mal. Die SIM gibt es später.“
„Mit Kindersicherung kein Problem.“
Fragen: Neigt Ihr Kind dazu, Sie auszutricksen? Sind Sie wirklich sicher bei den Passwörtern und PINs? Sind Sie bereit, Zeit in die Pflege der Einstellungen zu investieren? Viele Eltern verlieren irgendwann die Geduld mit dem Aufwand, den Kindersicherungen erfordern. Schliesslich braucht es auch hier Updates. Dann funktioniert was nicht. Kinder fordern neue Freiheiten. So haben viele schon resigniert. Zudem berichten viele, dass Kinder Wege finden, Einschränkungen zu umgehen. Es ist ein beständiges Hin und Her: Wir Eltern optimieren die Kindersicherung, die Kinder finden wieder ein Schlupfloch, etc.
„Kinder können vieles schon automatisch.“
Fragen: Erkennt Ihr Kind Kostenfallen? Kann es Hilfe holen, wenn es unter Druck gerät? Weiss es, wo es sich anmelden darf? Nur weil Kinder Geräte schnell bedienen, bedeutet das nicht, dass sie diese sicher oder sinnvoll nutzen. Kinder gehen oft nach dem Modell „Versuch und Irrtum“ vor. „Mal probieren!“ In diesem Sinne: Dieses Argument kann in der Regel nicht angewendet werden. Die heiklen Dinge können Kinder und Jugendliche nicht automatisch. Sie müssen erst von älteren Jugendlichen, Eltern oder Lehrpersonen hören, worauf es ankommt.
„Wir hoffen, es geht ohne Konflikte!“
Fragen: Ist Ihr Kind schon in der Pubertät? Was könnte sich mit Vorpubertät oder Pubertät verändern? Wie werden Sie es aufnehmen, wenn es doch Konflikte gibt? Sich solche Fragen zu stellen ist extrem wichtig. Denn: Viele Eltern berichten, dass sie nie gedacht hätten, welche Anziehungskraft diese Geräte haben. „Seit er das Handy hat, haben wir nur noch Streit. Ich fühle mich nur noch in der Polizistenrolle.“ Nicht dass das ein Muss ist. Es wird jedoch oft unterschätzt, wie sich Kinder gerade ab der Mittelstufe verändern. Und es wird oft unterschätzt, welche „Macht“ diese Geräte über die Kinder haben. Konflikte wird es in den meisten Fällen geben.
Be prepared!
Es soll hier nicht darum gehen, den Kauf eines Mobilgerätes, um jeden Preis zu verhindern. Es geht mehr darum, dass wir uns nichts vormachen. Vieles läuft nicht so gut wie wir uns das vornehmen. Und was nach diesem Abwägen vielleicht noch wichtiger ist: Sie weisen uns darauf hin, worauf wir uns als Eltern vorzubereiten haben. Wenn wir vorbereitet sind, so fällt Medienbegleitung leichter.
Weitere Hinweise zu Rahmenbedingungen finden Sie übrigens unter folgenden Beiträgen:
Weitere Hinweise zu Rahmenbedingungen finden Sie übrigens unter folgenden Beiträgen:
Weitere Hinweise zu Rahmenbedingungen finden Sie übrigens unter folgenden Beiträgen:
https://zischtig.ch/mit-plan-zum-ersten-handy/
https://zischtig.ch/medienvereinbarung-2/
https://zischtig.ch/medienbezogene-lebenskompetenz-1-ausgeglichener-alltag/